Sachverständigenrat

Wirtschaftsexperten fordern Apothekenketten APOTHEKE ADHOC, 13.11.2009 17:02 Uhr

Berlin - 

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bleibt sich treu: Apothekenketten würden den Wettbewerb beleben, schreiben die Experten in ihrem Jahresgutachten 2009/2010. Die Sachverständigen um Professor Dr. Dr. Wolfgang Franz attackieren im Kapitel „Flankierende Industriepolitik statt Anmaßung von Wissen“ sogar die Bundesregierung für deren Ankündigung, am Fremd- und Mehrbesitzverbot festzuhalten und Pick-up-Stellen zu verbieten.

Der Sachverständigenrat ist generell für Wettbewerb als „Triebfeder für unternehmerische Innovation“. Mangelnder Wettbewerb führe hingegen dazu, dass einzelne Unternehmen Marktmacht ausüben können. „Die drohende Konsequenz ist Ineffizienz, eine suboptimale Versorgung der Konsumenten und somit ein gesamtgesellschaftlicher Wohlfahrtsverlust.“ Eine übermäßige Konzentration von Marktmacht beobachten die Experten offenbar auch im Apothekenmarkt.

Die Wettbewerbspolitik erfahre häufig Ablehnung durch Interessenverbände. „Ein dabei vielfach angeführtes, aber oft fehlgeleitetes Argument gegen intensiveren Wettbewerb ist, dass Produkte dann nur durch Qualitätseinbußen günstiger am Markt bereitgestellt werden können“, heißt es im Gutachten. „So folgt das Vorhaben der neuen Koalition, am 'Mehr- und Fremdbesitzverbot von Apotheken festzuhalten' und die 'Auswüchse beim Versandhandel' von Arzneimitteln zu 'bekämpfen', genau diesem Muster und ist geneigt, den Wettbewerb im Gesundheitswesen maßgeblich zu reduzieren“, so die Sachverständigen.

Andererseits wollen die Experten den Markt nicht ausschließlich dem freien Spiel der Kräfte überlassen: Regulatorische Eingriffe ins Marktgeschehen seien begründet, „um die Marktmacht einzelner Unternehmen zu begrenzen oder auch Absprachen im Rahmen von Kartellen zu unterbinden“. Im Apothekenmarkt sehen die Experten aber offenbar keine Notwendigkeit für solche Eingriffe.

Vielmehr sehen die Sachverständigen ein Potenzial zur Effizienzsteigerung. Dies zeige anschaulich die Analyse der Deregulierung des Markts für Telekommunikation. „Es ist das zentrale Problem von Marktmacht, dass diese zum Missbrauch einlädt.“ Inwieweit dies für die mehr als 21.500 Apotheken eher gilt als für Apothekenketten, bleibt im Gutachten offen.