„Wenn wir nichts tun, sinkt die Apothekenzahl weiter“

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ADHOC: Dabei hat sich Spahn die Arzneimittelhersteller noch ganz nicht vorgeknöpft.
CRANZ: Das kann man so sehen. Aber unsere Branche berührt die aktuelle Diskussion über die Lieferengpässe schon sehr stark. Das ganze Feld von der Arzneimittelproduktion bis zur Abgabe an die Patienten steht im Fokus der Politik. Da müssen wird mitdenken, mitreden und uns einbringen. Der Druck ist da. Vor diesem Hintergrund sind die Verbände permanent gefordert.

ADHOC: Stimmen Sie dem Eindruck zu, dass die Lobbyarbeit der Pharmaverbände in den letzten Jahren nicht so schlagkräftig war?
CRANZ: Ich will da keine Wertung vornehmen. Die bevorstehende Fusion ist keine Reaktion auf die Arbeit der bisherigen Verbände. Aber selbstverständlich kann man die Dinge immer verbessern. Das ist unser Anliegen. Wenn man heute die Verbandslandschaft der Pharmabranche neu auf den Platz stellen würde, würde man sicher nicht mit der aktuellen Formation antreten. Vor diesem Hintergrund gibt es gute Gründe für den Zusammenschluss. Wir wollen unsere Kräfte bündeln und insgesamt noch stärker aufstellen.

ADHOC: Andere Interessengruppen in der Gesundheitsbranche wie die Krankenkassen erscheinen aber erfolgreicher.
CRANZ: Unsere wirklich geschätzten Partner von den Krankenkassen und insbesondere der GKV-Spitzenverband haben in den letzten Jahren zugelegt, haben in der Qualität ihrer Argumente aufgerüstet, das sind ohne Zweifel starke Verhandlungspartner. Die Kassenvertreter kennen sich in allen Details sehr gut aus. Darauf müssen wir reagieren. Wenn man sich nicht gut auskennt, keine Kompetenz an den Verhandlungstisch bringen kann, hat man keine Chance. Kompetenz ist das Wichtigste, das A und O der Interessensvertretung. Dann erst kommt öffentliche Präsenz und dann das Verhandlungsgeschick. Wir müssen einfach megakompetent sein. Wir brauchen dazu die Top-Leute in den einzelnen Fachbereichen. Es reicht nicht aus, dass man als Generalist in politischen Diskussionen glänzen kann. Wir müssen als Pharmabranche unsere Kräfte bündeln. Das ist die Idee der Fusion: Uns bestmöglich aufzustellen mit den besten Leuten.

ADHOC: Im Pharmasektor tummeln sich vier namhafte Verbände, dazu einzelne Großunternehmen mit eigenen Lobbyabteilungen. Ist das ein Problem?
CRANZ: Das kann man so sehen. Das ist aber nicht unsere Sicht. Andere Industriezweige haben mitunter nur einen Verband, aber Unternehmen, die ihr eigenes Ding in der Lobbyarbeit machen. Im Pharmaumfeld spielen die Verbände eine wichtige Rolle. Das sieht man bei vielen Anhörungen zur Gesetzgebung. Die Pharmaindustrie wünscht sich eine starke Interessenvertretung durch kompetente Verbände.

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