Digitalisierung

Telemedizin: Behandlung bei Dr. Google? dpa/APOTHEKE ADHOC, 05.02.2018 18:11 Uhr

Berlin - In Deutschland wird in diesem Jahr voraussichtlich die Telemedizin liberalisiert – und damit könnte dem deutschen Gesundheitswesen ein scharfer Wettbewerb zwischen Start-ups und großen IT-Konzernen wie Google bevorstehen. „Der Vorstand
der Bundesärztekammer wird den Delegierten des Deutschen Ärztetags in Erfurt im Mai eine Öffnung des sogenannten Fernbehandlungsverbots vorschlagen“, sagte Dr. Franz Bartmann, Vorsitzender des Ausschusses Telemedizin der Bundesärztekammer. Den Prüfauftrag dazu hatte der Ärztetag im vergangenen Jahr erteilt.

Das Fernbehandlungsverbot besagt, dass Ärzte neue Patienten nur nach persönlichem Gespräch behandeln dürfen. Dementsprechend können Patienten sich nicht per Videosprechstunde von einem Arzt beraten lassen, bei dem sie zuvor noch nicht in Behandlung waren.

Vorbild für eine Lockerung ist Baden-Württemberg. Dort hat die Landesärztekammer zwei Modellprojekte genehmigt, mit denen Ärzte auch unbekannte Patienten online beraten dürfen. Der Hintergrund: In vielen ländlichen Regionen nähert sich die Mehrheit der niedergelassenen Ärzte dem Pensionsalter, Telemedizin könnte ein geeignetes Mittel sein, die Auswirkungen des in wenigen Jahren zu erwartenden Ärztemangels abzumildern.

Beteiligt an dem Modellversuch ist das Münchner Start-up Teleclinic, das über seine gleichnamige App Videoberatung bei mehr als 200 Ärzten vermittelt. „Das ist ein wahnsinnig umkämpfter Markt“, sagte Teleclinic-Mitgründer Patrick Palacin kürzlich bei einem
Pressegespräch des US-Konzerns IBM. „Deutschland ist so ein bisschen hinten dran.“

Die Blicke richten sich vor allem auf die Vereinigten Staaten: „In den USA sitzen mit Doctor on demand und MDLive zwei IT-gesponsorte Mitbewerber von uns. In Doctor on Demand ist Google Ventures mit drin, bei MDLive ist Microsoft mit drin“, sagte Palacin. „Wir sind nicht blauäugig, wir schätzen: Drei bis fünf Jahre, und Google kommt hier rein.“

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