Spahn und Lauterbach: Zwei Sieger, zwei Wege

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Anders Jens Spahn: Der Staatssekretär im Finanzministerium mauserte sich im Wahlkampf zum konservativen Aushängeschild der CDU. Spahn ärgerte sich öffentlich über zu viele englisch sprechende Kellner und Hipster in Berlin, beklagte die Verrohung der Gesellschaft oder beschwerte sich über prüde Muslime in Fitness-Studios. Das brachte ihm offenbar nicht nur Schlagzeilen, sondern sicherte ihm über 51 Prozent der Erststimmen in seinem Wahlkreis Steinfurt/Borken im nördlichen Münsterland. Vereinzelt schrieben ihn Magazine wie der Stern bereits zum Kanzlerreservisten Nummer eins hoch.

Wohin die politische Karriere Spahn noch spült, bleibt abzuwarten. Zunächst einmal könnte er vorübergehend Hausherr im Bundesfinanzministerium werden, falls Wolfgang Schäuble (CDU) in den nächsten vier Wochen tatsächlich zum Bundestagspräsidenten gewählt wird. Bewegen kann Spahn im Finanzministerium während der Übergangszeit politisch zwar nichts mehr. Aber er könnte als Chefverhandler Haushalt und Finanzen in den Koalitionsgesprächen eine Schlüsselrolle übernehmen.

Gut Freund mit Kanzerlin Angela Merkel ist Spahn nicht: Auf dem CDU-Parteitag in Essen im vergangenen Dezember gelang es Spahn beim heiklen Thema doppelte Staatsbürgerschaft, eine Mehrheit in der Union gegen die CDU-Parteivorsitzende zu mobilisieren. Merkel war düpiert. Und Merkel ist nachtragend. Das könnte Spahns raschen Aufstieg also noch bremsen – solange Merkel über die Macht dazu verfügt.

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