Phagro-Abschied Bernadette Sickendiek

„Sie kann unglaublich gut Männer führen“ APOTHEKE ADHOC, 06.12.2018 10:42 Uhr

Als die Geschäftsführung beim Phagro Anfang 2000 neu besetzt werden musste, nahm der damalige Celesio-Chef Oesterle Kontakt zu Sickendiek auf. Sie habe zunächst abgelehnt. „Aber Oesterle lässt nicht locker. Und er schafft es“, so die Phagro-Historie. 2005 kehrt sie nach Deutschland und zum Verband zurück. Oesterle begründet sein Engagement für die Anwältin: „Sie kann unglaublich gut Männer führen. Sie ist ein starker Charakter, schnell im Kopf, steht zu ihrer Meinung und setzt die auch durch.“

„Mit ihrer Pensionierung verliert der Verband eine erfahrene Geschäftsführerin – und die Branche eine ebenso engagierte wie gut vernetzte Expertin im Berliner Polit-Betrieb“, heißt es beim Phagro. Bereits im September gab sie das operative Geschäft an Michael Dammann und Thomas Porstner ab.

Zuletzt stand Sickendiek, die stets lieber im Hintergrund arbeitete, noch einmal ungewollt im Rampenlicht. Sie wurde im „Datenklau-Prozess“ als Zeugin vor das Landgericht Berlin geladen. Der Auftritt war nicht besonders glücklich: Sickendiek erzählte, welchen Referatsleiter im Bundesgesundheitsministerium als undichte Stelle in Verdacht hatte, plauderte über vertrauliche Gespräche – und musste wenige Tage später ein zweites Mal vor Gericht erscheinen, da der Vorsitzende Widersprüche in ihrer Aussage ausgemacht hatte. Da zwischenzeitlich der Vorwurf der Falschaussage im Raum stand, erschien sie diesmal sicherheitshalber mit anwaltlicher Unterstützung, als bislang einzige Zeugin im Prozess. Und dann ließ das Gericht von der Polizei noch am Verhandlungstag einen Aktenordner zur Novelle der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) beim Phagro abholen.

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