Rx-Versandverbot

Gröhe: Apotheke ist mehr als Arzneimittelverkauf APOTHEKE ADHOC, 01.02.2017 17:29 Uhr

Berlin - Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat sein geplantes Rx-Versandverbot bekräftigt. „Die ganze Struktur unseres Apothekenwesens entstammt der Überzeugung, dass in der Apotheke nicht Arzneimittelverkauf stattfindet, sondern Arzneimittelversorgung. Das verlangt Fachkompetenz und gute Beratung“, sagte er in einem Interview mit der Apotheken Umschau. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt war mit von der Partie.

Umschau-Chefredakteur Dr. Hans Haltmeier fragt den Minister etwas provokant, ob sich mit Telemedizin und Versandhandel nicht die Versorgung auf dem Land sicherstellen ließe. „Die Digitalisierung ist eine gute Ergänzung zu dem, was wir haben. Nach dem persönlichen Kontakt mit einem Arzt – darauf legen wir Wert – können etwa Videosprechstunden für die Nachsorge gerade im ländlichen Raum Vorteile haben“, so Gröhe. Man müsse aber auch die „Risiken und Nebenwirkungen“ beachten.

Der Minister betont: „Wir wollen rund um die Uhr ein ortsnahes, beratungsstarkes Apothekenangebot. Gerade für ältere Menschen ist das ganz wichtig. Das würde durch einen zunehmenden Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln gefährdet.“ Gröhe erinnert daran, dass in 21 europäischen Ländern der Rx-Versandhandel verboten ist. „Aus meiner Sicht wäre das auch für Deutschland der beste Weg.“

ABDA-Präsident Schmidt sieht das genauso. „Die Behauptung, der Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln würde bestimmte Versorgungsprobleme lösen, halten wir für falsch. Die Vor-Ort-Apotheken in Deutschland sind in der Lage, die Versorgung auch dort sicherzustellen, wo die Entfernungen zu Arztpraxen, Apotheken und Einzelhandelseinrichtungen größer werden.“ Es gebe Rezeptsammelstellen und den Botendienst der Apotheken. „Das ist aus unserer Sicht die bessere Versorgung als die anonyme Verteilung von Päckchen“, so Schmidt.



Dass die Patienten online-affiner werden, sieht Gröhe nicht als Hinderungsgrund: „Wir sollten hier strikt zwischen rezeptpflichtigen und nicht-rezeptpflichtigen Arzneimitteln trennen. Letztere werden im Fernsehen und in Magazinen beworben, es gibt einen Preiswettbewerb auch zwischen den Apotheken vor Ort. Hier wird das Digitale sicher an Bedeutung gewinnen.“ Das sei eine Herausforderung für die Apotheken.

Anders sieht es Gröhe zufolge bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln aus, „die von der Kasse bezahlt werden und deren Anwendung auch mit höheren Risiken verbunden ist“. Gröhe: „Da geht es um gute Beratung in der Versorgung – und nicht um die preiswerteste Beschaffung.“

Schmidt stellt klar, dass OTC-Präparate auch Arzneimittel sind. „Wir legen Wert darauf, dass die Kollegen, die diese im Versandhandel anbieten, auch die notwendige Beratungsleistung anbieten“, so der ABDA-Präsident. Ob der Patient sie in Anspruch nehme, liege in seiner Hand. „Aber es muss eine klare Grenze gezogen werden zu den rezeptpflichtigen Arzneimitteln, die ein höheres Risikopotenzial bergen und die in Deutschland ja im Übrigen auch erstattungsfähig sind“, so Schmidt.