Regress- oder Retaxgefahr?

Rabattverträge jetzt auch für Cannabis

, Uhr

VCA-Geschäftsführerin Dr. Christiane Neubaur hält die Rabattverträge auch unabhängig von deren rechtlicher Beurteilung für keine gute Idee. „Generisch behandelt wurden bisher nur chemische Produkte und keine pflanzlichen, pharmazeutisch erklärt sich mir das also nicht“, sagt sie. „Bei der Therapie mit Medizinalcannabis handelt es sich um sehr spezielle und spezifische Pflanzenheilkunde. Es macht einen Unterschied, ob eine Pflanze aus Kanada oder Israel kommt, unter welchen Anbaubedingungen sie gewachsen ist oder welches Terpenprofil sie aufweist.“ Insbesondere die Bedeutung des Terpenprofils bei Blüten werde durch aktuelle Studien zunehmend belegt. „Da kann man nicht einfach austauschen. Ich bin sehr gespannt, wie sie sich das vorstellen.“

Mehr als bei anderen Arzneimitteln sei es bei Cannabis von Bedeutung, Patienten richtig einzustellen und dabei individuelle Unterschiede bei Wirksamkeit und Verträglichkeit zu beachten. „Wenn Patienten auf eine bestimmte Blüte oder Extrakt eingestellt sind, sollte das nicht aus wirtschaftlichen Erwägungen verändert werden“, sagt Neubaur. Umgekehrt könnten deshalb Probleme entstehen, wenn ein Patient das Rabattvertragsprodukt erhält und sie nicht gut verträgt. „Was passiert dann? Bricht der Arzt dann die Therapie ab? Oder er müsste anfangen, Aut-idem-Kreuze zu setzen. Dafür muss eine Regelung getroffen werden!“

Sie lehne den Austausch von Medizinalcannabis auf Grundlage von Rabattverträgen deshalb ab. „Cannabis ist für viele Patienten die letzte Chance auf eine bessere Lebensqualität, deshalb ist es schlicht nicht fair“, so Neubaur. Außerdem, so wendet sie ein, sei es ohnehin verfrüht, solche Regelungen einzuführen. Speziell die Rolle des Terpenprofils in der Therapie sei noch nicht hinreichend erforscht – alle bisherigen Erkenntnisse würden aber auf eine spürbare Bedeutung hinweisen. „Da müssten noch viel mehr Daten gesammelt werden, um pharmazeutisch vertretbare Regelungen zu treffen.“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Mehr zum Thema
Orales Budesonid gegen Proteinurie
Kinpeygo: Erstes Orphan Drug für Stada »
Lauterbach will vorsorgen
G7 schließen Pandemiepakt »
„Ist das noch sinnvolle Gesundheitspolitik?“
KV will Impf-Apotheken rückgängig machen »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Umlautprobleme und Botendienstsorge
E-Rezept: Vor- und Nachteile in der Praxis»
Ärzt:innen warnen vor Zwangseinführung
KV Hessen: Resolution gegen das E-Rezept»
Pharmazeutische Dienstleistungen
PharmDL: Warten auf den Schiedsspruch»
Vorgaben für Personal, Räume und Dokumentation
Grippeimpfungen in Apotheken – Die Regeln»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»