Pharmakonzerne boykottieren Facebook

, Uhr

Die Boykottwelle gegen das soziale Netzwerk wächst seit dem 17. Juni kontinuierlich. An dem Tag hat eine Allianz zivilgesellschaftlicher Organisationen unter dem Namen „Stop Hate for Profit“ eine Kampagne gestartet, mit der sie Facebook zwingen will, seine redaktionellen Leitlinien zu ändern. „Was würden Sie mit 70 Milliarden Dollar machen?“, fragte zum Auftakt eine Anzeige in der Los Angeles Times die Leser der Zeitung. „Wir wissen, was Facebook damit gemacht hat“: nämlich weiße Nationalisten bestärkt und Aufrufe zur Gewalt gegen Menschen ermöglicht, die gegen Rassismus demonstrieren. „Könnten Sie auch schwarze Menschen schützen? Könnten sie Holocaust-Leugnung als Hetze markieren?“, fragt die Anzeige. „Ja, das könnten sie. Aber sie entscheiden sich aktiv dazu, es nicht zu tun.“

Rund 99 Prozent der 70 Milliarden US-Dollar der jährlichen Einnahmen von Facebook kommen aus dem Anzeigengeschäft. Nur über einen schmerzhaften Einnahmeneinbruch könne die Konzernleitung zu einem Umdenken bewegt werden, so die Idee hinter der Kampagne. Die teilnehmenden Konzerne sind angesichts der aktuellen Rassismus-Debatten in einer komfortablen Position, betonen Unterstützer: Die Teilnahme an der Kampagne biete bessere PR als entsprechende Werbeplatzierungen im selben Zeitraum. Gleiches betonen jedoch auch Kritiker: Die wenigsten Konzerne verpflichten sich demnach dazu, ein längeres oder endgültiges Aus ihrer Facebook-Werbeaktivitäten zu verkünden. Es handele sich bei dem Boykott eher um PR-Stunts der teilnehmenden Konzerne als um eine nachhaltige betriebswirtschaftliche Bedrohung des Geschäftsmodells von Facebook.

Dieser Argumentationslinie folgt auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Er demonstriert entsprechend Gelassenheit: „Wir werden weder unsere Geschäftspolitik noch unseren Ansatz zu irgendetwas ändern wegen der Gefahr für einen kleinen Teil unserer Einnahmen oder irgendeinem Prozentsatz unserer Einnahmen“, zitiert der britische Guardian Zuckerberg. Bei dem Boykott handele es sich eher um ein „Image- und Partner-Problem“ als ein wirtschaftliches, habe Zuckerberg in einer internen Mitteilung verlauten lassen, die dem Guardian vorliegt: „Meine Vermutung ist, dass diese Werbekunden schon bald wieder auf unsere Plattform zurückkehren.“

 

Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und abonnieren Sie den Newsletter von APOTHEKE ADHOC.

 

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Weiteres
Bärbel Bas als Bundestagspräsidentin
Gesundheitspolitikerin führt den Bundestag»
Koalitionsverhandlungen
Geheimsache Gesundheitspolitik»