Pandemiemüde

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Unwahrscheinlich, dass Spahn diese Opferrolle behagt oder dass er oder seine Mitstreiter:innen diese Lesart gar selbst forcieren. Das würde nicht zum Machtmenschen Spahn passen, der lieber Macher ist und als Netzwerker eher in seinem persönlichen Umfeld auffällt. Es entsteht eher der Eindruck, dass seine politischen Gegner in Berlin jetzt eine Schwächephase beim Politkarrieristen Spahn wittern und eine Gelegenheit nutzen wollen. Spahn ist angeschlagen – und das spürt man mittlerweile auch.

Ein Ausdruck dieser Überforderung ist sein Umgang mit den Medien. Mitten in der Pandemie liefert er sich mit quasi allen großen Medienhäusern (und dieser Redaktion) Scharmützel um die Nennung des Kaufpreises seiner Villa – und ist dem Vernehmen nach dabei sogar persönlich engagiert. Das ist nicht besonders staatsmännisch.

Ausgerechnet heute berichtet der Tagesspiegel über die nächste Peinlichkeit in diesem Zusammenhang: Spahns Rechtsanwälte haben beim Amtsgericht nachgeforscht, welche Journalisten beim Grundbuchamt nachgefragt hätten, selbst die Anfragen will Spahn sehen. Das offenbart zum wiederholten Mal seinen problematischen Umgang mit Öffentlichkeit und Pressefreiheit – kurz nach seinem desaströsen Google-Deal. Es hat den Anschein, als ob vor allem der Minister pandemiemüde ist. Nur leider kann sich das Land das nicht leisten.

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