„Corona hat Apotheken selbstbewusst gemacht“

Overwiening: Mit uns wäre die Impfquote höher

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Berlin -

Die Stimmung in den Apotheken ist nach einer Erhebung der Abda etwas besser geworden. Abda-Präsidentin Gabriele Overwiening zufolge hat die Corona-Krise das Selbstbewusstsein der Teams in den Apotheken gestärkt. Ohne dies zu fordern, sagte Overwiening, dass die Impfquote unter einer Beteiligung der Apotheken höher gewesen wäre. Laut Abda-Befragung befürchtet eine große Mehrheit der Inhaber:innen, dass mit der Einführung des E-Rezeptes Rx-Umsatz in den Versandhandel abwandert. Zu den größten Sorgen zählt zudem der Personalmangel.

Bei der Auftakt-Pressekonferenz im Vorfeld des heute beginnenden Deutschen Apothekertags (DAT) wurde Overwiening gefragt, warum nicht in Apotheken gegen Covid-19 geimpft werde. „Ich frage mich schon, warum Apotheken in dieser Phase nicht mit eingebracht worden sind“, sagte die Abda-Präsidentin, fügte aber gleich hinzu: „Wir werden das jetzt nicht fordern.“

Es solle jetzt nicht zu einem politischen Streit darüber kommen, in dessen Folge sich möglicherweise Ärzt:innen zurückziehen könnten, weil Apotheken diese Aufgaben übernehmen. Denn jetzt sei das höchste Ziel, dass möglichst viele geimpft werden. „Wir haben nur imaginiert, was wäre passiert, wenn man uns frühzeitig eingebunden hätte. Dann hätten wir dazu beitragen können, dass die Impfquote höher gewesen wäre“, so die Abda-Präsidentin. Jetzt sei es wichtig, dass die Impfungen ohne Störfeuer durchgeführt werden. Nach der Krise sei zu bewerten, was insgesamt für die Gesellschaft sinnvoll sei.

Insgesamt kann die Corona-Krise Overwiening zufolge als „Wendepunkt“ für die Apotheken taugen. „Die Negativstimmung aus den letzten Jahren geht jetzt weiter zurück.“ So erwarten in der Abda-Umfrage 44 Prozent, dass die wirtschaftliche Lage etwas oder deutlich schlechter wird, im Vorjahr waren es noch 50 Prozent. Die Leistung der Apotheken in der Corona-Pandemie habe zu mehr Selbstbewusstsein geführt und damit zu einer positiveren Grundstimmung, so Overwiening. Das führe auch zu einer höheren Investitionsbereitschaft. 60 Prozent wollen investieren, vor allem in die EDV.

In der Pandemie seien den Apotheken viele Aufgaben schnell übertragen worden: „In der Tat waren viele Dinge so unfassbar kurzfristig und dass das belastend war, versteht sich von selbst.“ Die Abda-Präsidentin sieht auch darin das Positive: „Obwohl alles so kurzfristig war, haben wir alles gemanagt.“ Die Durchführung der Corona-Tests sei ein gutes Beispiel dafür, dass neue Dienstleistungen übernommen werden könnten, was vorher nicht möglich gewesen sei.

Die Gespräche mit dem GKV-Spitzenverband über die im Apothekenstärkungsgesetz (VOASG) vorgesehene Einführung weiterer pharmazeutischer Dienstleistungen sind dagegen vorerst gescheitert. Beide Seiten hätten Vorschläge eingebracht, man sei sich aber nicht einig geworden, welche Dienstleistungen ab Januar erbracht werden sollen, so Overwiening. Details aus den Verhandlungen wollte sie auf Nachfrage nicht nennen. „Wir werden auf die Schiedsstelle warten müssen.“

Das größte Ärgernis ist für die Apotheken nach wie vor der bürokratische Aufwand. Overwiening räumte ein, dass die Ursache oft nicht der Gesetzgeber sei, sondern die eigenen Verträge mit den Krankenkassen.

Die Nachwuchssorgen landen auf dem zweiten Platz. 70 Prozent der Inhaber:innen bekommen maximal eine Bewerbung auf eine ausgeschriebene Approbiertenstelle. 12 Prozent haben daher den Wunsch, Teilzeit- in Vollzeitstellen umzuwandeln. Die Bereitschaft der Inhaber:innen, selbst Personal auszubilden, sei zwar grundsätzlich groß. Die Apotheken benötigten dafür aber auch eine wirtschaftlich stabile Situation.

Das Problem betrifft Overwiening zufolge sogar die Betriebe: Häufig könnten Apotheken nicht weiterbetrieben werden, weil kein Nachfolger gefunden werde, kein Filialleiter. „Ich glaube, dass wir einen ausgesprochen großen Handlungsbedarf in den nächsten Jahren haben werden.“ Nur vier von zehn Inhaber:innen rechneten mit maximal einem Interessenten, wenn sie ihre Apotheke verkaufen wollen. Das sei sehr bedenklich, so Overwiening. Die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig es sei, dass Apotheken weitergeführt werden. Dafür benötigten die Apotheken Planungssicherheit und Zuversicht.

Große Sorgen bereitet vielen Apotheker:innen das E-Rezept: 87 Prozent erwarten, dass mehr Rezepte in den Versandhandel gelangen. Die Hälfte der Apotheken will als Gegenmaßnahme den eigenen Botendienst ausbauen. Overwiening warnt mit Blick auf den Versandhandel: „Wenn man der Trivialisierung nicht Einhalt gebietet, wird die Patientensicherheit gefährdet werden.“

Die Abda-Präsidentin erneuerte zudem ihre Forderung, dass die Lockerungen bei der Umsetzung der Rabattverträge verstetigt werden. „Diese Entscheidungsfreiräume müssen über die Pandemie hinaus für die Apotheken erhalten bleiben.“ Apotheken hätten das sehr verantwortungsvoll genutzt. Die Einsparungen aus den Rabattverträgen sei nicht gesunken.

Im Rahmen des DAT wird Overwiening Gelegenheit haben, ihre Anliegen an höchster Stelle vorzubringen: Denn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wird zu Gast bei den Delegierten sein.

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