Notfall Rezeptur: „Ich will dabei sein!“

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Jetzt stehen wir zu dritt in der Rezeptur. Max, Frau Schmitz und ich. Ich desinfiziere die Arbeitsfläche und alle Geräte. Gebe Frau Schmitz Kittel, Mundschutz, Handschuhe und setze sie vermummt auf einen Stuhl. Dann geht es auch schon los. Max erklärt die Herstellung und wir führen gemeinsam die Plausibilitätsprüfung durch und erstellen das Herstellungsprotokoll. Die Einwaagen lassen wir im Vieraugenprinzip von der Kundin absegnen. Währenddessen klärt uns Frau Schmitz über die aktuelle Lage im Prozess gegen den Apotheker aus Bottrop auf. Wie fassungslos und gelähmt sie als Kundin ist und wie schlimm das alles für uns Apotheker sein muss.

Fassungslos mache sie auch die Tatsache, dass der Prozess nicht verlegt werde und weiter vor der Wirtschaftskammer verhandelt werde. Der Abrechnungsbetrug stehe über allem, auch über Menschenleben. Ethik und Moral sei dahin und die Patienten unwichtig. Man wolle gar nicht glauben, was dem Apotheker vorgeworfen werde, aber am Ende bleibe die Angst. Zur Fassungslosigkeit komme die Wut – über die Skrupellosigkeit und die Argumente der Verteidiger. Bezahlen werden die Kunden und die Apotheker, die jeden Tag nach bestem Wissen und Gewissen ehrliche Arbeit leisten, wo der Kunde im Mittelpunkt und nicht im Weg steht.

Sie gesteht ein, das Rezept aus Angst so lange zurückgehalten zu haben. Aus Angst, sie würde eine Creme erhalten, die nicht das enthalte, was verordnet ist. Und der Notdienst war für sie die einzige Möglichkeit, eventuell die Herstellung mitzubekommen und ihre Bedenken zu äußern. Der tägliche Betrieb lasse all das nicht zu. Auch wenn es sich nur um eine Nasensalbe handele, von der weder Leben noch Tod abhänge, sei der Einblick in meine Arbeit für sie wichtig. Was will man da noch sagen?

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