Neue Dienstleistungen: „Keine Apotheke hat Bestandsschutz“

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ADHOC: Auch die Apotheker sollen mit dem Apothekenstärkungsgesetz neue Dienstleistungen anbieten können. Ich das eine neue Chance? Was stellen Sie sich da vor?
EX: Wir haben rückblickend immer bedauert, dass Apotheker in vielen Versorgungsmodellen so gut wie keine Rolle gespielt haben, sehr abgegrenzt waren. Die Apothekerverbände haben sich auch nicht nach vorne gedrängelt. Je mehr das Gesundheitswesen charakterisiert ist von multimorbiden Patienten, werden die Koordination zwischen Gesundheitsprofessionen und die Kommunikation mit Patienten noch wichtiger. Hier ist der Bedarf an Arzneimitteltherapieunterstützung, Adhärenz und Wechselwirkungsmanagement riesig. Ich glaube, dass Apotheker dabei eine ganz hervorragende Rolle als niederschwellige, hoch qualifizierte Anlaufstelle spielen können. Den Apothekern selbst würde das als Instrument zur Kundenbindung große Vorteile bringen.

ADHOC: Was ist aus Ihrer Sicht die Ursache für die bisherige Zurückhaltung?
EX: Von außen entstand der Eindruck, dass die Apotheker viel zu sehr auf Verteidigung ausgerichtet waren, als konstruktiv an Zukunftslösungen mitzugestalten und ihre wichtige Kompetenz einzubringen. Sie haben ihre Strukturen verteidigt.

ADHOC: Mit den neuen Dienstleistungen öffnet sich aber jetzt wieder eine Tür. Der DAV möchte Dienstleistungen für alle Apotheken definieren und vereinbaren. Denkbar wäre aber auch Wettbewerb.
EX: Ich denke, dass Wettbewerb um bessere Lösungen gerade zu Beginn effizienter ist. Kleinere Einheiten, Apothekenkooperationen etwa, können zu schnelleren Lösungen kommen, als wenn immer alle Apotheken mitmachen können müssen. Im Wettbewerbsmodell können zunächst mal die mitmachen, die sich bewegen wollen. Dann kämen wir schneller voran.

ADHOC: Hat der BMC konkrete Vorstellungen, wo Apotheker mitwirken sollten?
EX: Pharmazeutische Kompetenz fehlt in vielen Bereichen. Apotheker müssen im Ansehen der Patienten den ersten Platz bei der pharmazeutischen Kompetenz von den Ärzten zurück erobern. Das muss ihr Ziel sein. Das heißt, sie müssen überall präsent sein, bei der Chronikerberatung, beim Medikationsmanagement, sie müssen sich einbringen zum Beispiel auch beim Service für jüngere Leute. Apotheker müssen sich als die Arzneimittelexperten vor Ort etablieren. Apotheker sind zwar hervorragend ausgebildet, aber viele Patienten empfinden Apotheken vor allem als Arzneimittel-Abgabestelle und nach unserem Eindruck nicht als Nummer 1 für pharmazeutische Kompetenz.

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