Mundschutzpflicht in der Öffentlichkeit: Sinnvoll oder unnütz?

, Uhr

Auch Virologen wie Professor Dr. Christian Drosten argumentieren so. „Je näher dran an der Quelle, desto besser. Deswegen muss die Maske an der Quelle sein und nicht am Empfänger", erklärte Drosten kürzlich in seinem NDR-Podcast. Eine Maske in der Öffentlichkeit zu tragen, nutzt dieser Lesart nach eher dem Schutz der Gesellschaft als dem des Individuums. Sein Kollege, der Bonner Virologe Professor Dr. Hendrik Streek stimmt Drosten da zu. Auch selbstgenähte Masken würden in der Öffentlichkeit davor schützen, andere durch Tröpfcheninfektion anzustecken, „und zudem ist es natürlich auch ein Zeichen von Solidarität und Mitarbeit, dass man diese Erkrankung und das Virus eindämmen will“. Auf diesen psychologischen Effekt setzt auch Drosten. Würden alle Menschen in der Öffentlichkeit Masken tragen, würde sie das auch stets an den Ernst der Lage erinnern.

Der Virologe Professor Dr. Alexander Kekulé wiederum geht noch einen Schritt weiter: Für ihn spielen die einfachen Atemmasken eine zentrale Rolle nicht nur bei der Bewältigung der aktuellen Krise, sondern auch darüber hinaus im zukünftigen Umgang mit dem Virus. „Wir müssen uns wirklich darauf einstellen, dass wir in der Größenordnung von einem Jahr unser Verhalten ändern müssen“, erklärte er kürzlich. „Und da ist jetzt die Frage: Wie macht man das so, dass möglichst wenige soziale, wirtschaftliche und psychologische Kollateralschäden gibt?“ Er plädiere deshalb für ein Konzept, das er selbst entwickelt hat: „Smart Distancing“ anstelle von Social Distancing.

„Das heißt, wir machen es eine Stufe sanfter“, so Kekulé. Ein zentraler Aspekt sei dabei, dass Menschen, wenn sie anderen näher als zwei Meter kommen, eine solche einfache OP-Maske tragen müssen. „Der schützt auf jeden Fall andere und es gibt auch neuere Daten, dass die Menschen dadurch bis zu einem gewissen Grad selbst geschützt werden gegen dieses Virus. Also etwas andere Informationen als man es bisher gehört hat.“ Aus Hong Kong wisse man bereits, dass das allgemeine Tragen von OP-Masken in der Öffentlichkeit, „offensichtlich einen ganz erheblichen Effekt hat, um die Krankheit unter Kontrolle zu kriegen“. Er plädiere deshalb dafür, dass die OP-Masken „zum Standard für alle“ werden.

Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und abonnieren Sie den Newsletter von APOTHEKE ADHOC.

 

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Wenig Interesse an Telemedizin
Stada-Umfrage: Arzt sticht App»
EU muss Schnittstellen-Verordnung absegnen
E-Rezept: Vorerst keine Daten für Vor-Ort-Plattformen»
Beeinflussung von Metastasen
Palmfett, Rezeptoren und Krebs»
Strafrechtler Dr. Patrick Teubner
FAQ: Gefälschte Impfausweise»