Pressekonferenz

Merkel kritisiert Ministerpräsidenten und mahnt zur Geduld dpa/ APOTHEKE ADHOC, 20.04.2020 16:33 Uhr

Bundeskanzlerin Merkel mahnte abermals zur Geduld in der Corona-Krise. Foto: Andreas Domma
Berlin - 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat an die Regierungschefs der Länder appelliert, die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nicht zu früh und zu weitgehend zu lockern.

Sie wolle, dass der gemeinsam beschlossene Spielraum „möglichst eng ausgenutzt wird, nicht möglichst weit”, sagte die Kanzlerin am Montag in Berlin nach einer Sitzung des Corona-Krisenkabinetts. „Es kann auch ein Fehler sein, dass man zu schnell voranschreitet.”

Merkel fügte hinzu: „Die Situation, die wir jetzt haben, ist trügerisch.“ Denn wie sich etwa die nun beschlossene Öffnung vieler Geschäfte auswirken werde, das „sehen wir in 14 Tagen, nicht vorher”, erklärte sie. Diese Zeitverzögerung mache Entscheidungen so schwierig.

„Wir dürfen uns keine Sekunde in Sicherheit wiegen”, sagte die Kanzlerin nach einer Sitzung des Corona-Krisenkabinetts. „Es wäre jammerschade, wenn wir sehenden Auges in einen Rückfall gehen.” Mit harten Maßnahmen sei viel erreicht worden, und die Reproduktionszahl der Infektionsketten sei unter 1 gedrückt worden. An etlichen Tagen gebe es also mehr Genesene als neu Infizierte. Sie sagte aber, „dass wir am Anfang stehen und noch lange nicht über den Berg sind”.

Die Kanzlerin versicherte, sie wisse um die Not vieler Bürger, einsamer Menschen, Alleinerziehender, Hoteliers, Ladenbesitzer und Künstler. Sie kenne die Erwartungen der Kirchen und Religionsgemeinschaften und sehe das dringende Bedürfnis, das Versammlungs- und Demonstrationsrecht wieder wahrnehmen zu können. „Diese Pandemie verlangt uns allen in diesem Lande, jedem Einzelnen, aber auch der Gemeinschaft, ziemlich viel ab.”

Merkel kündigte an, dass 105 mobile Teams aufgestellt und geschult würden, die vor Ort bei der Identifizierung von Kontaktpersonen helfen sollten. Die Finanzierung übernehme das Bundesgesundheitsministerium. Ab dem 22. April werde es eine Meldepflicht für Gesundheitsämter geben, die den Bundesländern mitteilen müssten, wenn sie diese Aufgabe nicht erfüllen könnten. Nötig sei „eine präzise Nachverfolgung aller Infektionsketten”, betonte Merkel. „Das wird nur gelingen, wenn wir den öffentlichen Gesundheitsdienst stärken.”