Apotheker als EU-Pharmalobbyist

, Uhr

Zunächst blieb Cranz in der akademischen Welt, um zu promovieren. Hier half ihm der Zufall. „In Düsseldorf wurde die Pharmazie 1981 gerade neu etabliert. Das war mein Glück, denn an anderen Universitäten gab es nur ganz selten Vollzeitstellen.“ Vier Jahre später wechselte er nach Kiel ins Institut für Gesundheits-System-Forschung. Dieser Zweig der Gesundheitswissenschaften beschreibt und analysiert die Zusammenhänge zwischen Gesundheit, Gesundheitswesen, Gesellschaft und Umwelt – die ideale Grundlage für die Gesundheitspolitik. „Bei aller Dankbarkeit für meine Düsseldorfer Zeit war Kiel genau das, was ich wollte. Für meine persönliche Entwicklung war das ein ganz zentraler Schritt. Ohne die Zeit in Kiel wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin.“

Gegründet wurde das Institut vom CDU-Politiker Fritz Beske, von 1971 bis 1981 Staatssekretär im Sozialministerium von Schleswig-Holstein und langjähriger Vorsitzender des gesundheitspolitischen Ausschusses seiner Partei. „Er wollte die gesamte Diskussion in der Gesundheitspolitik rationalisieren“, erinnert sich Hubertus Cranz. „Damals, in den Zeiten vor dem Internet, war es wesentlich schwerer, die Fakten gut zusammenzustellen. Da passte ein Mann wie ich mit wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund und Erfahrung in Pharmaprojekten gut dazu.“

Beske hatte ein kleines, vierköpfiges Team um sich versammelt, alle von ihnen seien später in Führungspositionen gekommen. „Im Institut bekam ich eine volle Breitseite an Training. Ich habe hier brutal viel gelernt, wie Gesundheitspolitik und Gesundheitsökonomie funktioniert.“ Cranz schrieb viele Gutachten und publizierte gefühlt etwa alle drei Monate ein Buch, das sei völlig normal gewesen, sagt er. „Und ich bekam Gelegenheit, durch die Lande zu ziehen.“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Immunsystem noch nicht vorbereitet
Omikron: Mehr Hospitalisierungen bei Säuglingen»
Covid-Impfung künftig in Erkältungssaison
EMA: Dauer-Boostern nicht sinnvoll»
Tipps für einen gelungenen Impfstart
Impfarzt: Apotheker:innen sollten erst Routine lernen»
„Es ist schwierig, das Abwerben hinterher zu belegen“
Apotheker enttäuscht: Drei Angestellte abgeworben»
Suspension und Kapseln
Sildenafil in der Pädiatrie»
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
Report Mainz über Impfpassfälschungen
Apotheken im Fadenkreuz von Impfgegnern»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»