EU rudert zurück: „CBD kann als Nahrungsmittel betrachtet werden“

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Denn momentan lägen 15 solcher Anträge bei der EU-Kommission, erklärt der Pro-CBD-Vorsitzende Hänsel. 13 davon für natürlich extrahiertes CBD, zwei für synthetisch hergestelltes. Die Anträge durchlaufen erst eine Vor-, dann eine Hauptprüfung, die voraussichtlich zwischen einem und anderthalb Jahre dauert. Im Juni seien die ersten Anträge in die Hauptprüfung gegangen – und dann aufgrund des nun wieder korrigierten Kurswechselns der EU-Kommission direkt gestoppt worden. „Die Novel-Food-Verordnung bremst nach wie vor viele Unternehmen aus“, sagt Hänsel. „Aber die Perspektive hat sich nun eindeutig verbessert.“ Denn, so schätzt er: „Wenn der erste Antrag positiv beschieden ist, dürfte es bei den anderen sehr schnell gehen.“

An der guten Perspektive für CBD-Hersteller ändere sich auch dadurch nicht viel, dass die CND der UN am Mittwoch genau genommen gegen Erleichterungen für CBD-Produkte gestimmt hat: Denn zwar wurde entschieden, die Pflanze Cannabis sativa L. von Anhang 4 des Abkommens – der höchsten Gefahrenklasse – in Anlage 1 – die niedrigste – herabzustufen. Der Vorschlag der WHO, CBD-Produkte mit einem THC-Gehalt unter 0,2 Prozent ganz aus dem Abkommen zu nehmen, haben die Vertreter der 53 Unterzeichnerstaaten aber mehrheitlich zurückgewiesen. „Es wäre schon gut gewesen, wenn das auch durchgegangen wäre, aber so ist es auch kein Beinbruch“, sagt Hänsel. Denn die Entscheidung sei „nicht aus grundsätzlichen, sondern aus rein handwerklichen Erwägungen“ gefällt worden. Es sei nämlich in internationalen Drogenverkehrskontrollen kaum möglich, vor Ort derart feine Unterscheidungen nach Stoffgehalt im Promillebereich vorzunehmen.

„Der wichtigste Aspekt ist die riesige Signalwirkung, die von der Entscheidung ausgeht“, sagt Hänsel. „Die UN haben zum ersten Mal offiziell anerkannt, dass Cannabis einen medizinischen Nutzen hat und dass die sie positives Potenzial in der Gesamtpflanze und damit auch in CBD sehen.“ Die Herabstufung in die Anlage 1 erleichtere nicht nur künftige Forschungen in dem Bereich, sondern werde voraussichtlich auch starke Auswirkungen auf die kommende Regulierungspolitik vieler Staaten haben. „Die meisten Länder, die Cannabis restriktiv behandeln, beziehen sich dabei auf die Betäubungsmittelkonvention und richten ihre Politik nach der UN aus.“ Schaue man sich an, welche Länder nun für die Herabstufung gestimmt haben, so mache das viel Hoffnung für Wissenschaft und Herstellerbranche: So haben mit der Ausnahme Ungarns alle 13 Unterzeichnerstaaten aus der EU mit Ja votiert, darunter auch Schweden, Spanien und Belgien, die bisher recht restriktiv gewesen seien. Hänsel geht davon aus, dass Hersteller und Forschungseinrichtungen dort nun schon in den Startlöchern stehen. 2021 startet für die Branche also vielversprechender als das scheidende Jahr.

 

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