Offener Brief an Minister Spahn

Durchgerechnet: Apotheker Kaiser gegen Rx-Versandverbot Nadine Tröbitscher, 02.10.2018 12:12 Uhr

Berlin - Christoph Kaiser ist Apotheker aus Überzeugung. Mit Herzblut und Leidenschaft arbeitet er in der Passauer Pazzawa Apotheke und fragt sich, wie sich die Pharmazie zukunftssicher machen lässt. Denn die flächendeckende Versorgung auf hohem Niveau sieht er in Gefahr. Und so schreibt Kaiser einen offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und die führenden Gesundheitspolitiker. Denn: „Stillstand ist der erste Schritt rückwärts“, findet er, und das Rx-Versandverbot der falsche Weg.

„Das Rx-Versandverbot ist ein Scherz gegen das, was man erreichen kann“, ist sich Kaiser sicher. „Wir können nur gewinnen und endlich als kompetenter Partner im Gesundheitswesen im Rahmen der integrierten Versorgung unseren Platz einnehmen.“ Dabei müsse sich die Pharmazie neu erfinden und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, schreibt Kaiser in einem offenen Brief an den Spahn und die Bundestagsabgeordneten Kordula Schulz-Asche (Die Grünen), Sabine Dittmar (SPD) und Melanie Huml (CSU) sowie Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und ABDA-Präsident Friedemann Schmidt.

„In Zeiten der wachsenden Bedeutung von Digitalisierung und eHealth, ist es an der Zeit, die richtigen Weichen zu stellen. Die Gefahr ist groß, dass der Patient unter die Räder gerät,“ schreibt Kaiser, der feststellt, dass im Gesundheitswesen der Patient immer mehr als Kunde betrachtet wird. Kaiser sorgt sich um die Zukunft der Apotheke, will aber auch Lösungen und Visionen anbieten und sich nicht verstecken oder gar auf das Rx-Versandverbot verlassen und dafür die Fahne hochhalten. Denn Kaiser ist sich sicher, das Rx-Versandverbot wird – wenn überhaupt – nur sehr kurze und kaum spürbare Effekte zeigen, auch bestehende Strukturen könnten sich dadurch nicht erhalten lassen.

Seine Sorge: „Genau betrachtet, wird das Verbot keine kleine oder mittelgroße Apotheke vor der Schließung retten, beziehungsweise einen Arbeitsplatz erhalten oder schaffen.“ Es helfe nur den großen Apotheken. „Um die flächendeckende Versorgung zu erhalten und dem eigenen Berufsstand Perspektiven zu bieten, braucht es mehr als Notiz im Koalitionsvertrag. Es braucht Visionen wie GKV finanziertes Medikationsmangement, Prescribing Pharmacist und so weiter“, schreibt Kaiser an die Politiker. Dabei ist sich der Apotheker bewusst, bei den Kollegen auf Gegenwehr zu stoßen und anzuecken. Kaiser mahnt die Apotheker, die Angst vor beispielsweise Folgeverordnungen und die Konservativität abzulegen. „Wir können nur gewinnen.“

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