Der Unvollendete: 2000 Apotheker verloren – 515 Millionen Euro Honorar

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Vor allem aber ein Ereignis prägte Schmidts Amtszeit: Das Rx-Boni Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 19. Oktober 2016. Kurz vor der Wiederwahl zum Abda-Präsidenten schickten die EuGH-Richter die Abda-Führung um Schmidt auf die politische Verliererstraße. Siegesgewiss zog die Abda-Delegation in den Luxemburger Gerichtssaal. Fassungslos verließ sie ihn. Mit millionenteuren Karabiner-Kampagnen und mantramäßiger Beschwörung des Untergangs des deutschen Apothekenwesens versuchte Schmidt, das Unmögliche politisch durchzusetzen: Das Verbot des Versandhandels mit Rx-Arzneimittel. Zuerst legte sich die SPD quer und dann der neue Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Als Führung gefragt war, verharrte Schmidt in der Moderatorenrolle. So gelang es dem Abda-Präsidenten nicht, die Vorsitzenden der Apothekerverbände und vor allem die Präsidenten der Apothekerkammer hinter sich zu scharen, als Schmidt mit Spahn in einem monatelangen Verhandlungsprozess einen 375 Millionen Euro schweren Plan B entwickelte. 34 Präsidenten und Vorsitzende zwangen das Duo Spahn/Schmidt zur Korrektur. Herausgekommen ist am Ende ein zerfleddertes Apothekenstärkungsgesetz (VOASG) mit einem Rx-Boni-Teilverbot für gesetzlich Versicherte, das im Windschatten der Corona-Krise Bundestag und Bundesrat passierte.

Was also bleibt von Friedemann Schmidts Amtszeit? Das Ansehen der Apotheker im Vergleich der Heilberufe ist besser denn je – wegen ihrer Rolle in der Corona-Pandemie. Darauf kann die vermutlich neue Abda-Präsidentin aufbauen. Auch wenn die Kritik am Apothekenstärkungsgesetz in den eigenen Reihen nicht abreißt, ist es Schmidt gelungen, das Apothekenhonorar auf eine neue Basis zu stellen. Nicht mehr allein die Flatrate von 8,51 Euro für die Abgabe von Rx-Arzneimitteln bestimmt das Apothekeneinkommen. Besondere Dienstleitungen werden extra honoriert, so wie es übrigens auch im von der Abda hart kritisierten 2hm-Gutachten gefordert wird. Ende 2021 werden weitere 150 Millionen Euro für neue pharmazeutische Dienstleistungen hinzukommen. Damit ist der Honorarweg vorgezeichnet. Die jahrelange DAV-Forderung nach Dynamisierung des Packungshonorars ist auf der Strecke geblieben.

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