Kommentar

Corona-Paket: Jetzt noch Apotheken stärken!

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Das gilt auch für den Gesundheitssektor. Längst hat die Gesundheitsbranche die Automobilindustrie als wichtigster Arbeitgeber abgelöst. Jetzt beginnt die Politik langsam zu verstehen, dass das Gesundheitswesen mit weiteren Sparrunden so nicht vorankommt. Es fehlen seit Jahren Fachkräfte, weil Pfleger und Krankernschwestern zu schlecht bezahlt sind – PTA im Übrigen auch. Die Corona-Pandemie hat schonungslos die Schwächen des Systems offengelegt. Wenn in einem der hochentwickelten Industrieländer wochenlang Schutzausrüstung nicht in ausreichender Menge vorhanden ist, ist etwas schiefgelaufen. Die Lehre daraus lautet: Den Gesundheitsmarkt darf eine auf sozialen Ausgleich bedachte Gesellschaft nicht allein den Marktkräften überlassen. Wohin das führt, kann man in den USA beobachten.

Daher ist es gut, dass die Regierung im Konjunkturpaket anstrebt, dass Deutschland im Bereich von medizinischer Schutzausrüstung, der Herstellung von Wirkstoffen und deren Vorprodukten sowie in der Impfstoffproduktion wieder über größere Kapazitäten und mehr Unabhängigkeit verfügen soll. Das ist leichter gesagt als getan. Dass dazu eine Milliarde Euro für die heimische Arzneimittelproduktion ausreicht, darf getrost bezweifelt werden. Aber es ist ein Anfang und vor allem der Beginn eines Umdenkens.

Die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist eine staatliche Aufgabe. Sich darauf wieder zu besinnen, muss Konsequenzen nach sich ziehen. Nur mit einer flächendeckenden Infrastruktur lässt sich dies in Krisenfällen sicherstellen. Die Apotheken haben in der Corona-Krise unter Beweis gestellt, dass sie zu dieser notwendigen Infrastruktur einen wichtigen Beitrag leisten. Das Apothekenstärkungsgesetz gehört naturgemäß nicht ins Konjunkturpaket. Aber: Die Rückbesinnung auf inländische Sicherungsnetze sollte auch hier noch einmal zum Nachdenken anregen. Man muss den Arzneimittelversandhandel nicht verbieten, um die Apotheken an der Ecke zu erhalten. Aber die Politik muss andere Wege finden, das flächendeckende Netz zu erhalten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich in der Corona-Krise als zupackender und lernfähiger Politiker erwiesen. Das sollte er auf seine Apothekenpolitik übertragen.

 

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