Corona-Krise stürzt Kliniken in Finanznot

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Das Abrechnungssystem der Krankenhäuser wurde vor einigen Jahren auf Fallpauschalen nach sogenannten DRGs („diagnosis-related groups“) umgestellt. Da Covid-19 eine neue Krankheit ist, gibt es dafür im Abrechnungswesen noch keine eigene Kategorie. „Jetzt versuchen wir, eine Pandemie in dieses System zu quetschen, und das funktioniert nicht“, sagte Steenbeek-Schacht. Im Bundesgesundheitsministerium hieß es dazu, dass für Covid-19 ein „Sekundärcode“ eingeführt wurde, der eine „sachgerechte Abbildung im DRG-System“ möglich mache. Zu niedrig sind nach Angaben der Kliniken auch die 50-Euro-Zuschüsse für Schutzausrüstung wie Einwegkittel und Atemschutzmasken, im medizinischen Jargon „Isolationsmaterial“ genannt. Staatlicherseits gibt es zwar kostenlose Lieferungen, doch reicht das den Krankenhäusern zufolge bei weitem nicht, um den Bedarf zu decken. Deswegen müssten die Krankenhäuser auf dem freien Markt einkaufen, sagte Steenbeek-Schacht – und die Einkaufspreise seien wegen der weltweiten Knappheit dramatisch gestiegen.

Die Krankenhausgesellschaft fürchtet, dass manche Kliniken bald nicht mehr zahlungsfähig sein könnten. „Wir werden finanziell in eine Schieflage gebracht, die nicht alle Krankenhäuser werden überleben können“, warnte auch Geschäftsführerin Steenbeek-Schacht. Der Bund hat im Ende März verabschiedeten Covid-19-Gesetz eine Überprüfung der finanziellen Auswirkungen auf das Gesundheitswesen zugesagt. Dieser Zeitraum ist den Krankenhäusern zu lang. „Wir haben die dringende Erwartung, dass schneller geholfen wird, wenn es existenzielle Probleme bei den Krankenhäusern gibt“, sagte Hasenbein.

Das Ministerium hat zwar bisher keine weitere Aufstockung der Hilfen zugesagt, schließt dies aber für die Zukunft auch nicht aus: „Das Bundesministerium für Gesundheit wird die dynamische Entwicklung weiter sorgfältig beobachten und gegebenenfalls weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Krankenhäuser prüfen“, erklärte ein Sprecher.

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