Freude und Mahnung aus der Branche

Cannabis-Freigabe: Dolfen fordert THC-Grenzwerte

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Es gibt aber auch mahnende Stimmen. Die von Melanie Dolfen beispielsweise, Inhaberin der Berliner Bezirks-Apotheken, die zu den größten Cannabisversorgern gehören. „Offensichtlich wollen die Ampel-Parteien das amerikanische Modell übernehmen. Aber mit ‚Qualität‘, ‚Keine Verunreinigungen‘ und ‚Jugendschutz‘ ist es nicht getan“, so Dolfen. „Das ist naiv. Warum dieser unkritische Blick, wo man es doch besser wissen könnte? Liegt es an möglichen Steuereinnahmen, dass die Politik da nicht genauer hinschaut?“

Ihre Forderung: Eine verantwortliche Cannabis-Legalisierung müsse den THC-Gehalt von Marihuana begrenzen. Das neue Ampel-Papier hingegen ignoriere das Thema THC-Grenzwerte. „Obwohl die Erfahrungen in USA und Kanada zeigen, dass die Freigabe einen Trend zu immer potenterem Cannabis auslöst. Obwohl viel dafür spricht, dass mit höheren THC-Gehalten auch die Gesundheitsrisiken steigen. Insbesondere was die psychische Gesundheit betrifft“, mahnt Dolfen. „Ich halte das für fahrlässig.“

Die Legalisierung in anderen Ländern zeige, „dass wir dringend auch über eine qualitative Regulierung nachdenken müssen“, so die Inhaberin. „Die Dosierung ist das Problem. Die Risiken sind groß und immer noch nicht umfassend untersucht und verstanden. Der Cannabis-Code ist noch nicht geknackt. Gerade die sogenannten Entourage-Effekte, bei denen es um komplexe Wechselwirkungen der verschiedenen Stoffe in den Pflanzen geht, geben der Wissenschaft nach wie vor Rätsel auf.“ Die Ausführungen der Ampelparteien würden diese Risiken verniedlichen, wenn sie den Eindruck erwecken, es komme nur auf Sauberkeit und Qualität an. „Das stimmt nicht: die Dosis macht das Gift. Deshalb brauchen wir THC-Grenzwerte und detaillierte Inhaltsangaben, die einen qualifizierten Freizeit-Gebrauch unterstützen.“

Dolfen plädiert dabei für eine Altersgrenze von 25 Jahren und Höchstabgabemengen. Darum müsse es auch eine unabhängige Instanz zwischen Herstellern und Konsumenten geben. „Cannabis-Stores der Apotheken könnten dafür eine gute Lösung sein“, so Dolfen. „Im Zentrum stünde die unabhängige Prüfung der Produkte und die Information der Kunden. Analog zu den Prüfverfahren, die Apotheken bei Medizinalcannabis nutzen. Die Kunden bekämen zuverlässige Inhaltsangaben. Außerdem hätten die Cannabis-Stores eine Beratungsfunktion über Wirkungen und Risiken.“

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