Berlin

Kemmritz: Kammer soll nicht Polizei spielen Julia Pradel, 23.11.2015 13:30 Uhr

Berlin - Berlin hat ein Rezepturproblem. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) kritisiert die Qualität der Zubereitungen und immer wieder gibt es Beschwerden über Totalverweigerer. Die Berliner Apothekerkammer hat nun entschieden, Testkäufe durchzuführen. 30.000 Euro sollen dafür investiert werden. Dr. Kerstin Kemmritz, die zur Kammeropposition gehört, sieht das kritisch.

ADHOC: Warum sind Sie gegen die Kammer-Kontrollen?
KEMMRITZ: Ich denke nicht, dass Testkäufe das richtige Mittel sind. Ich befürchte, dass wir die schwarzen Schafe so nicht erwischen. Stattdessen könnten die in Erklärungsnot kommen, die sich redlich bemühen, bei der Herstellung aber nicht schnell genug sind. ADHOC: Warum sehen Sie diese Gefahr?
KEMMRITZ: Die Arbeitsverdichtung in Apotheken wird immer intensiver. Die Apotheken stehen damit vor der Wahl, die Rezepturen entweder zwischen Tür und Angel zu machen oder die Kunden zu vertrösten und die Zubereitungen in Ruhe anzufertigen. Das Gefühl, dass es viele Verweigerer gibt, ist daher auch der Wahrnehmung geschuldet, dass man etwas nicht sofort bekommt. ADHOC: Ein Berlin-spezifisches Problem?
KEMMRITZ: Eine gute Rezeptur benötigt Zeit. Das ist ubiquitäres Problem. In der Hauptstadt sind allerdings viele Kunden gewöhnt, alles schnell zu bekommen. Manchmal ist den Kunden gar nicht bewusst, dass ihre Salbe extra für sie angefertigt wird. Obwohl die Patienten in einer Apotheke einen durchaus angemessenen Zeitrahmen genannt bekommen, gehen sie dann weiter zu einer zweiten oder dritten, bis ihnen schließlich eine Apotheke die Rezeptur schnell genug anfertigt. Die Qualität ist dann schlimmstenfalls sogar schlechter.

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