BAH schlägt Alarm: Sorge um Arzneimittelversorgung

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Unmittelbar auf die Produktion wirke sich zudem die angespannte Personalsituation bei Mitgliedsfirmen aus: Firmen, die in grenznahen Gebieten zu Frankreich oder der Schweiz tätig seien, berichteten von Problemen bei Grenzübertritten von Mitarbeitern. So stünden Mitarbeiter trotz neueingeführtem Pendlerschein bis zu 2 Stunden in der Grenzabfertigung und kämen entsprechend verspätet zum Arbeitsplatz. BAH: „Vor dem Hintergrund sollte die Freizügigkeit von Personen möglichst bald wieder vollständig oder zumindest teilweise hergestellt werden.“

Alle Tätigkeiten aller Arzneimittel- und Medizinprodukte-Hersteller, auch die der mittelständischen Unternehmen, seien „für die medizinische Daseinsvorsorge der Bevölkerung wichtig und somit systemrelevant“. Es sei dringlich, dass die Systemrelevanz der Arzneimittel- und Medizinprodukte-Hersteller bundesweit einheitlich anerkannt werde, so der BAH. Auch angesichts der arbeitsteiligen Tätigkeit der Arzneimittel- und Medizinprodukte-Hersteller dürfe es in den Bundesländern keine unterschiedliche Vorgehensweise geben. Aus der Systemrelevanz der Arzneimittel- und Medizinprodukte-Hersteller folge, dass auch an Sonn- und Feiertagen gearbeitet werde, dass die tägliche Höchstarbeitszeit auf bis zu zwölf Stunden verlängert werden dürfe, bei Schließungen von Kindertagesstätten und Schulen für die Mitarbeiter der Arzneimittel- und Medizinprodukte-Hersteller die „Kindernotbetreuung“ gelte, dass bei Grenzschließungen, Quarantänemaßnahmen und allgemeinen Ausgangssperren die Anwesenheit der Mitarbeiter der Arzneimittel- und Medizinprodukte-Hersteller an ihren Arbeitsplätzen dringend erforderlich sei und dies den Mitarbeitern ausdrücklich per „Passierschein“ bestätigt werde.

Außerdem fordert der BAH eine Verschiebung des Geltungsbeginns der Medizinprodukteverordnung (MDR): Nach wie vor gebe es zu wenige benannte Stellen, um die Umsetzung der MDR und vor allem eine flächendeckende Zertifizierung und Auditierung der betroffenen Medizinprodukte zu gewährleisten. Durch die Corona-Pandemie werde dieser Engpass noch verschärft. Von den ohnehin wenigen benannten Stellen seien die italienischen bereits geschlossen. Die übrigen benannten Stellen hätten ihre Tätigkeiten bereits eingeschränkt: Die Bearbeitung der Anträge auf Zertifikate erfolge nicht mehr. BAH: „Um die Versorgung der Patienten mit Medizinprodukten auch nach dem 26. Mai 2020 sicherzustellen und einen Engpass mit Medizinprodukten zu vermeiden, ist eine Verschiebung des Geltungsbeginns der MDR bis zum Ende der Corona-Pandemie notwendig.“

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