„Apotheker haben zu wenig Widerstand geleistet“

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Aus privaten und politischen Gründen zog es sie 2008 zurück nach Deutschland, erst nach Aachen, später nach Siegen. Über die persönlichen Beweggründe mag sie nicht so viel erzählen, politisch motivierte sie die Gründung der Linken. Sie engagierte sich vor allem in der Frauen-, Umwelt-, Europa- und vor allem Friedenspolitik. „Die Gesundheitspolitik hat Schnittmengen mit all diesen Bereichen“, findet sie. „Im Gesundheitsbereich arbeiten sehr viele Frauen. Eine intakte Umwelt ist zur Gesunderhaltung essentiell. In der Europapolitik stehen die Auswirkungen des EuGH-Urteils und der Versandhandel im Vordergrund. Und Krieg schließlich ist eine Gefahr für Leben und Gesundheit schlechthin.“

Vor der Bundestagswahl 2013 ging sie noch einmal für ein halbes Jahr zurück in die Apotheke und fand dort völlig veränderte Verhältnisse vor. „Ich hatte zuvor alle Gesundheitsreformen im Beruf miterlebt. Doch die Arbeitsbedingungen hatten sich in den elf Jahren meiner Abwesenheit wesentlich verschärft. Die Qualität hatte nichts mehr mit der zu tun, die ich damals kennengelernt hatte.“ Vor allem habe sie mehr Zeit vor dem Computer als mit dem Patienten verbracht. „‚Es tut mir leid‘, musste ich ihnen sagen, ‚ich würde sie gerne persönlich beraten, aber ich muss nachschauen, von welcher Firma ich Ihnen das Medikament geben darf‘.“

Zunächst sei es dem Patienten noch möglich gewesen, das Originalpräparat zu beziehen und nur den Differenzbetrag zu zahlen, berichtet Gabelmann. „Heute muss er den vollen Betrag vorab zahlen und dann einen Antrag auf Erstattung der Differenz bei den Krankenkassen stellen. Das können sich viele nicht leisten. Auch der bürokratische Aufwand ist für viele zu hoch.“

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