Der Ruf nach der Deregulierung wird irgendwann aus dem Berufsstand selbst kommen, mahnten schon Fritz Oesterle & Co., als ihre Kettenpläne 2009 vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) kassiert wurden. Und auch wenn es längst noch nicht so weit ist, dass Kapitalkonzerne einspringen müssen, um die Versorgung zu sichern, steht dem Berufsstand jetzt dieselbe Diskussion bevor, die parallel die Ärzt:innen in ihrem Bereich führen: Wie lässt sich die Versorgung weiterentwickeln, ohne das Gesundheitswesen in eine radikale Kommerzialisierung zu treiben?

Die Heilberufler sollten sich ehrlich machen: Es geht auch um die Arbeitsbedingungen des eigenen Berufsstands. So wie viele Ärzt:innen in Teilzeit- und Angestelltenverhältnisse flüchten, weil ihnen der Druck der Selbstständigkeit zu groß ist, wächst die Zahl der OHG-Apotheken und derjenigen Pharmazeut:innen, die ihr Glück außerhalb der Apotheke suchen.

Um die Versorgung vor Ort zu sichern, werden SPD, Grüne und FDP das Korsett lockern wollen, in dem der Apothekerberuf heute eingeschnürt ist. Das haben sie bereits vor der Wahl zu Protokoll gegeben. Und allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass vielleicht genau das die Apotheke vor Ort mehr stärken könnten als alte Abwehrkämpfe etwa dagegen, dass Verbünde die Rezeptur an einem Ort bündeln oder dass OHG-Apotheker eine Filiale leiten dürfen.

Ob Abkehr von der Packungspauschale, gelockerter Mehrbesitz auf dem Land oder mehr Kompetenzen für PTA – nicht alle Vorschläge mögen geeignet sein. Doch die Debatte sollte offen geführt werden. Ketten wird man jedenfalls nicht verhindern, wenn man für den reinen Statuserhalt kämpft. Wer immer noch glaubt, sich hinter dem HV-Tisch einmauern zu können, für den wird es irgendwann ziemlich einsam in seiner Apotheke werden.

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