Ampel: Abschied von der Standardapotheke

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Auch das Beispiel Cannabis zeigt, dass die Ampel weniger in den bisherigen Kategorien wie apothekenpflichtig, apothekenexklusiv oder apothekenüblich denkt und nicht mehr mit der Gießkanne verteilen will. Zugegeben, die Apotheker haben sich nicht darum gerissen. Doch es entspricht ohnehin viel mehr dem Stil von SPD, Grünen und FDP, solche Aufträge an „lizenzierte Geschäfte“ zu vergeben.

Die Apotheken müssen sich darauf einstellen, dass ein Teil des Geschäfts außerhalb des Standardkatalogs läuft. Wer mitspielen will, muss sich fit machen und bewerben. Das ist Chance und Risiko gleichermaßen, denn es reduziert die Abhängigkeit vom GKV-Bereich und eröffnet neue Spielfelder, fordert aber auch Eigeninitiative und Engagement in diesem Bereich. Die wird sich nicht jede Apotheke leisten können: Gerade die kleinen Betriebe in ländlichen Regionen, die ja eigentlich gestärkt werden sollen, haben oft gar keine Ressourcen für solch zusätzliches Engagement – allein schon, weil vielerorts das Personal dafür fehlt. Die Schere könnte also trotz allem weiter auseinandergehen, das Apothekensterben dürfte anhalten.

Unter der Ampel läuft alles auf integrierte und selektive Versorgungsformen hinaus, dieses Leitmotiv zieht sich durch das gesamte Arbeitspapier: „Durch den Ausbau multiprofessioneller, integrierter Gesundheits- und Notfallzentren stellen wir eine wohnortnahe, bedarfsgerechte, ambulante und kurzstationäre Versorgung sicher und fördern diese durch spezifische Vergütungsstrukturen. Zudem erhöhen wir die Attraktivität von bevölkerungsbezogenen Versorgungsverträgen (Gesundheitsregionen) und weiten den gesetzlichen Spielraum für Verträge zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern aus, um innovative Versorgungsformen zu stärken.“

Die Pharmahersteller haben dagegen weniger Grund zu Optimisimus. Ob die Mehrwertsteuer als Kostenblock tatsächlich gesenkt wird, bleibt abzuwarten. Hier werden die Haushaltspolitiker ein Wörtchen mitreden wollen. Fest dürfte dagegen stehen, dass die AMNOG-Schrauben noch einmal angezogen werden; mit Herstellerrabatt, Preismoratorium und Erstattungspreis bereits nach sieben Monaten.

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