Anstieg im März – Absturz im April

+25 Prozent: GKV-Arzneimittelausgaben legen im März kräftig zu

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Berlin -

Die Sars-CoV-2-Pandemie hat die Krankenkassen viel Geld gekostet: Die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) lagen im März um 25 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Die Zahl der Rezepte und Packungen hat hingegen weniger stark zugenommen – es wurden also vor allem größere Packungen abgegeben. Was die Kassen allerdings im März mehr ausgaben, konnten sie im laufenden Monat sparen: Laut Abda zeigen erste Marktdaten aus dem April stark rückläufige Arzneimittelumsätze.

„Im März hat sich die Corona-Pandemie mit voller Wucht auf die Arzneimittelversorgung in Deutschland ausgewirkt“, so der DAV-Vorsitzende Fritz Becker. „Die Apotheken hatten innerhalb kürzester Zeit einen wahren Ansturm von Patienten mit Rezepten zu bewältigen und mussten Infektionsschutzmaßnahmen und Arbeitskapazitäten gleichzeitig hochfahren. Trotz aller Widrigkeiten und Lieferengpässe hat das insgesamt sehr gut geklappt.“ Dieser Ansturm spiegelt sich jetzt auch in den Kosten der GKV wider: 3,84 Milliarden Euro haben die Kassen im März für Arzneimittel ausgegeben, Impfstoffe nicht mitgerechnet.

Im Januar und Februar waren die Arzneimittelausgaben noch wie erwartet um 5 und 6 Prozent gestiegen. Für das erste Quartal ergibt sich damit ein Wachstum von 11,8 Prozent auf 10,38 Milliarden Euro. Vergangenes Jahr im März konnte die GKV sich noch über einen gegenteiligen Effekt freuen: Damals hatten sich die Ausgaben nach einer Steigerung von 6,8 und 6,5 Prozent im Januar und Februar wieder normalisiert; im März 2019 betrug die Steigerung zum Vorjahresmonat deshalb nur 1,4 Prozent. Die Zahl der eingelösten Verordnungen war im Vergleich zum Vormonat sogar um 6 Prozent gesunken. Insgesamt hatten die Kassen im ersten Quartal 2019 knapp 9,3 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben, nach 8,8 Milliarden Euro im Vorjahresquartal.

Im März 2020 hingegen ging die Zahl der eingelösten Verordnungen sprunghaft nach oben: Sie stieg um 13,7 Prozent auf 44 Millionen. Die Zahl der abgegebenen Packungen wiederum stieg um 18,8 Prozent auf 71 Millionen. Aus mehreren Datenquellen, die dem DAV vorliegen, gehe hervor, dass im März nicht nur mehr Medikamente, sondern auch größere Packungen – zum Beispiel N3 statt N1 oder N2 – verordnet und abgegeben wurden, so Becker. Das erkläre, warum die Ausgaben stärker als die Rezept- und Packungszahlen gestiegen sind.

Das und die Tatsache, dass im April bereits ein starker Rückgang der Arzneimittelumsätze zu verzeichnen sei, sieht Becker als Beleg dafür, dass sich vor allem Chroniker zu Beginn der Krise eingedeckt haben. „Das lässt darauf schließen, dass neben einer umfangreichen Akutversorgung auch viele chronisch kranke Patienten reguläre Arztbesuche mit Folgeverschreibungen vorgezogen haben“, so Becker.

Bei den ausgewiesenen Arzneimittelausgaben sind die Einsparungen der GKV aus Rabattverträgen allerdings noch nicht berücksichtigt. Gemäß den vorläufigen Rechnungsergebnissen beliefen sie sich laut Abda im Jahr 2019 auf 4,9 Milliarden Euro –11 Prozent mehr als im Jahr 2018.

Auch bei den Impfstoffen waren große Steigerungen zu verzeichnen: Die Impfstoffausgaben der GKV lagen mit 153 Millionen Euro im März um 43,6 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats. Bereits im Januar und Februar waren hohe Zuwachsraten von etwa 20 Prozent zu verzeichnen. Im Durchschnitt über alle drei Monate betrug der Anstieg der GKV-Ausgaben für Impfstoffe 28,3 Prozent auf 375 Millionen Euro. Und hier legt bereits der Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine hohe Messlatte an: Die Impfstoffausgaben der GKV waren im März 2019 bereits um 28,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat angestiegen. Diese Entwicklung sei vor einem hohen Rückgang im März 2018 zu sehen, so der DAV damals. Denn im Vorjahr waren diese Ausgaben um 12,1 Prozent gesunken. Im ersten Quartal 2019 belief sich der Zuwachs der GKV-Ausgaben für Impfstoffe auf 16,3 Prozent. Insgesamt gaben die Kassen im ersten Quartal des vergangenen knapp 292 Millionen Euro für Impfstoffe aus nach 251 Millionen Euro im gleichen Zeitraum 2018.

 

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