Lauterbach: E-Rezept kann noch nicht überzeugen | APOTHEKE ADHOC
Kein Nutzen, keine Einführung

Lauterbach: E-Rezept steht nicht im Fokus

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Das E-Rezept steht nicht im Fokus von Bundesgesundheitsminister Professor Dr. Karl Lauterbach (SPD).
Berlin -

Nach gut 100 Tagen im Amt stellt sich Bundesgesundheitsminister Professor Dr. Karl Lauterbach (SPD) beim „Praxischeck“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) den Fragen der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten. Ein Thema war das E-Rezept, das Lauterbach nicht als Priorität sieht.

Sein Vorgänger habe eine andere Strategie verfolgt als er: Ihm sei es darum, Soft- und Hardware so schnell wie möglich auszurollen und zu sehen, was geht. Das sei nicht seine Strategie: „Ich will solche Applikationen fokussieren, bei denen Patienten und Ärzte den Nutzen spüren.“ Neben diesem „kollektiven Nutzen“ liege ihm die digitale Vernetzung von ambulantem und stationärem Bereich am Herzen – Stichwort: elektronische Patientenakte (ePa). „Was wirklich helfen würde, wäre die Digitalisierung von Befunden mit der Möglichkeit einer Suchfunktion. Das macht die Medizin definitiv besser.“ Hier sei er für ein „Windhundrennen“, um die Entwicklung deutlich zu beschleunigen.

Beim E-Rezept sieht es seiner Meinung nach ganz anders aus: „Ich habe einen Überblick gewonnen, wo wir beim E-Rezept stehen, und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass wir noch nicht ‚ready for party‘ sind.“ Das System sei fehleranfällig, der Nutzen sei nicht klar. „Was bringt ein E-Rezept, das ich ausdrucken muss. Das kann noch nicht überzeugen.“

„Ich habe das E-Rezept gestoppt, weil ich nicht den Eindruck habe, dass wir an dem Punkt angekommen sind, wo wir es machen können.“ Dies habe er entschieden, ohne dass die Ärzte ihn darum gebeten hätten, so Lauterbach.

E-Rezept als Risiko

„Dinge wie E-Rezept und elektronische Krankschreibung müssen kommen, aber nicht so.“ Denn es sei kontraproduktiv für die Akzeptanz aller Beteiligten, wenn man Dinge durchboxe, die keinen spürbaren Nutzen hätten. Er sieht sogar das Risiko, dass sich das sehr negativ auf die Patientenbehandlung auswirken könnte. „Das ist überhaupt nicht mein Ansatz.“ Die Frage, ob man Finanzmittel für die EDV-Anbieter bereitstellen könne, werde er prüfen. Schnellschüsse werde es aber nicht geben.

Wie im Koalitionsvertrag angekündigt, will Lauterbach die Gematik zu einer Agentur für Digitalisierung weiterentwickeln. „Ich möchte etwas erreichen, darüber habe ich auch mit Bundeskanzler Olaf Scholz gesprochen. Wir wollen vorankommen, das Tempo ist bei der Digitalisierung nicht in Ordnung.“ Er ließ durchblicken, dass er hier viel mehr Einfluss nehmen will: „Wir wollen mehr Einfluss nehmen und damit auch mehr Verantwortung. Und dies suchen wir auch.“ Die Digitalisierung sei ein „ganz zentrales Projekt“ auf seiner Agenda. Die Berufung der ehemaligen TK-Managerin Dr. Susanne Ozegowsk als Abteilungsleiterin für Digitalisierung ins BMG sei eine wesentliche Verstärkung – und nicht die letzte.

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