Welt-MS-Tag: Beratungsqualität erhöhen

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Die verlaufsmodifizierende Therapie des aktiven Krankheitsverlaufs gilt als Second-line-Therapie und kommt immer da zum Einsatz wo Patienten nicht auf die Basistherapie ansprechen. Innerhalb dieser „Optimierungstherapue“ kommen monoklonale Antikörper zum Einsatz. Natalizumab (Tysabri, Biogen) ist ein möglicher Wirkstoff, der als selektiver Hemmstoff für Adhäsionsmoleküle, die sich an der Oberfläche von weißen Blutzellen befinden, das Einwandern von Leukozyten in Entzündungsherde. Natalizumab wird auch als Integrin α4-Inhibitor bezeichnet und gehört zu den IgG4-Antikörpern. Viele der neuen Arzneistoffe können zu schweren Nebenwirkungen führen, so ist das Hauptrisiko der Natalizumab-Therapie die progressive multifokale Leukenzephalopathie, eine Erkrankung des Zentralnervensystems, die durch ein Virus ausgelöst wird und potenziell lebensgefährlich ist. Drei Faktoren scheinen das Risiko dieser Erkankung zu erhöhen: Eine Behandlungsdauer von mehr als 24 Monaten, eine vorherige immunsuppressive Therapie, sowie der Nachweis von Antikörpern gegen das Virus, das für die Erkrankung ursächlich ist.

Neue Therapieeinschränkungen

Bei einigen monoklonalen Antikörpern werden die Indikationen nach der Zulassung aufgrund von auftretenden unerwünschten Arzneimittelereignissen geändert. So auch bei dem seit 2013 zugelassenen Wirkstoff Alemtuzumab (Lemtrada, Sanofi Genzyme). Der Arzneistoff reguliert das Immunsystem, indem es sich gegen bestimmte weiße Blutkörperchen, die B- und T-Lymphozyten, richtet. Seit Ende 2019 empfiehlt die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) Alemtuzumab nur noch bei Erwachsenen mit hochaktiver schubförmiger Multipler Sklerose, sowie bei einer rasch fortschreitenden schubförmigen Verlaufsform. Es wurden zudem neue Kontraindikationen aufgenommen: Patienten, die an bestimmten Herz-Kreislauf- oder Blutungsstörungen leiden, sollen Alemtuzumab nicht mehr anwenden. Darüber hinaus sollte die Behandlung im Krankenhaus erfolgen.

Bei der symptomatischen Therapie sollen Folgen wie Schmerzen durch eine verkrampfte Muskulatur oder Sprech- und Schluckstörungen behandelt werden. Auch die psychische Komponente ist nicht außer Acht zu lassen. Viele Patienten leiden unter Depressionen, da die Krankheit ihre Lebensqualität mindert. Körperliche Symptome können mit speziell ausgerichteter Physiotherapie behandelt werden. Um den Sprachverlust zu bremsen, können Betroffene einen Logopäden aufsuchen. Ergotherapeutische Maßnahmen können körperlich und psychisch helfen. Eine spezielle Kunsttherapie fördert nicht nur die Kreativität sondert auch die Feinmotorik.

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