Valsartan: Wer ist schuld und wen interessiert's?

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„Am Ende des Tages ist jeder betroffen“, wirft Kiefer ein. Auch wenn es keinen Rückruf auf Patientenebene gab, sei irgendwann die Packung zu Ende. Spätestens am Tag der Neuverordnung, werde das Thema angesprochen.

Was bleibt, sind die Angst der Betroffenen und der Vertrauensverlust in das Arzneimittel. Eine Angst die auch Tawab bestätigt. „Was ich vermisse, ist ein klares Statement gegenüber den Patienten, das Vertrauen in Arzneimittel zurückgibt. Korrektive Maßnahmen müssen auch an den Patienten übermittelt werden. Von der Politik und dem EDQM erwarte ich klare Signale, Antworten und Maßnahmen. Die FDA ist uns einen Schritt voraus. Die haben bereits eine Leitlinie erstellt, wie man mit Umstellungen im Produktionsprozess umgehen muss.“ Trotz allem hat Tawab auch eine positive Nachricht. Das ZL hat zusätzlich zu den durchgeführten Stichproben 17 weitere Präparate untersucht, darunter auch jene mit anderen Sartanen. „Zur Freude aller Verbraucher war weder NDMA noch NDEA nachweisbar.“

Für das verunreinigte Valsartan spricht Tawab von einem Multiversagen und einer Aneinanderreihung vieler unglücklicher Faktoren. Der Hersteller habe die GMP-Vorschriften nicht ernst genommen und sei schlampig mit Peaks umgegangen. „Derjenige am Anfang der Kette muss seine Hausaufgaben machen.“ Aber auch Kontrollsysteme hätten versagt. „EU-Kontrolleure vor Ort haben keine gravierenden Mängel festgestellt, die der FDA schon.“ Zudem sei es nicht verwunderlich, wenn der pharmazeutische Hersteller nicht genügend Informationen bekommt, um seine Analytik darauf ausrichten zu können. „Wie lange wollen wir uns abhängig machen von der Mitteilungsbereitschaft der asiatischen Hersteller? Wir müssen endlich das Zepter selbst in die Hand nehmen und ein erweitertes Screeningverfahren erstellen. Das ist bitter nötig.“ Tawab fordert mehr Transparenz und mehr Kontrolle. „Die Apotheke muss sicher sein, dass wir saubere Ware bekommen“, wirft Becker ein. „Rabattverträge hin oder her, es werden 90er Prozente gegeben. Aber Qualität kostet.“

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