Krebserregende Substanzen

Valsartan: Seit Jahren verunreinigt Deniz Cicek-Görkem, Nadine Tröbitscher, Patrick Hollstein, 10.07.2018 10:56 Uhr

Warum die Verunreinigung so lange unentdeckt blieb, lässt sich nur erahnen. Normalerweise müssen so ziemlich alle Änderungen im Zusammenhang mit der Herstellung eines Arzneimittels den zuständigen Behörden gemeldet werden. Gut möglich also, dass EMA und BfArM über den neuen Syntheseweg informiert waren – nur das Risiko einer Verunreinigung nicht abschätzen konnten.

Dies bestätigt auch das European Directorate for the Quality of Medicines & HealthCare (EDQM). Bei der beim Europarat in Straßburg angesiedelten europäischen Arzneibuch-Kommission laufen derzeit alle Fäden im Zusammenhang mit Valsartan zusammen. Ein Sprecher bestätigt: „Es gibt verschiedene Synthesewege für Valsartan, und bei ein- und demselben Weg können unterschiedlichen Lösungsmittel und Reagenzien einer Familie eingesetzt werden. Die Bildung der Verunreinigung hängt dann von den spezifischen Reaktionsbedingungen ab.“

Warum aber hat kein analytisches Labor Alarm geschlagen? Immerhin durchlaufen Arzneimittel eine ganze Reihe von Qualitätskontrollen, von der Wirkstoffherstellung über den Einkauf bis hin zur Endfreigabe. Erst wenn alle Werte im Normbereich sind, gibt es eine Freigabe. Theoretisch dürften die verunreinigten Valsartan-Präparate gar nicht erhältlich sein. Doch gefunden werden könnten nur Stoffe, nach denen auch gesucht wird, so der EDQM-Sprecher. Die Verunreinigung mit NDMA sei nicht zu erwarten gewesen – und damit auch nicht detektierbar mit den verwendeten Testmethoden.

Normalerweise unterscheidet man laut Experten bei Verunreinigungen zwischen Neben- und Abbauprodukten, diese werden dann in entsprechenden Guidelines spezifiziert und qualifiziert. Aufgrund von Kenntnissen der Herstellungs- und Abbauprozesse weiß man in der Regel, welche Verunreinigungen zu erwarten sind. Dass man eine neue Verunreinigung im Chromatogramm nicht sieht, kann laut Experten unterschiedliche Ursachen haben: Die Verunreinigung co-eluiert mit einem bekannten Peak, liefert in der genutzten Detektion kein Signal (zum Beispiel UV-Absorption) oder sie eluiert schon mit dem Lösungsmittel-Peak. NDMA detektiert man üblicherweise über Chemolumineszenzdetektion oder hochauflösender MS, beides sind keine Routine-Verfahren.

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