Parkinson: Proteinablagerungen als Therapieansatz?

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Untersucht wurden die Aggregate aus Gehirnproben von fünf verstorbenen Parkinson- und fünf verstorbenen MSA-Patienten. Zudem wurden verschiedene künstliche Alpha-Synuclein-Aggregate zum Vergleich hergestellt. Anschließend wurde die Struktur der unterschiedlichen Proben mithilfe von Kernspinresonanzspektroskopie und weiteren Methoden verglichen. „Wir haben festgestellt, dass die aggregierten Proteine aus dem Labor eine andere Struktur hatten, als alle aus Patientenmaterial generierten Aggregate“, erläutert Dr. Timo Strohäker, Erstautor der Studie. Zudem wurden Unterschiede zwischen den Proteinen der MSA-Patienten und der Parkinson-Patienten festgestellt: Die Proteine der verschiedenen MSA-Patienten hatten alle eine weitgehend ähnliche Form. Die Proteine der Parkinson-Patienten waren deutlich uneinheitlicher. „Vergleicht man die Proteine der verschiedenen Parkinson-Patienten untereinander, dann gibt es eine gewisse strukturelle Vielfalt.“

Alle Aggregate enthalten sogenannte „Beta-Faltblatt-Strukturen“ – diese wurden auch in vorherigen Untersuchungen bereits ermittelt. Die Proteine haben daher eine zweidimensionale Struktur und haften innerhalb der Aggregate schichtweise aneinander. Die Faltung der Proteine ist jedoch nicht durchgängig – jede Verklumpung enthält auch Abschnitte ohne definierte Struktur. Von Bedeutung ist zudem die Orientierung der Faltblatt-Bereiche. „Es geht darum, wie viel von einem Protein gefaltet ist und auch, wie es gefaltet ist“, sagt Zweckstetter.

Die Struktur des Alpha-Synucleins bei Parkinson zeigte zum Teil deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Patienten. Den Forschern zufolge könnte dies damit zusammenhängen, dass der Verlauf der Parkinson-Erkrankung von Mensch zu Mensch recht unterschiedlich sein kann. „Die Variabilität von Parkinson hängt möglicherweise mit Unterschieden in der Faltung des aggregierten Alpha-Synucleins zusammen.“ Das würde der Hypothese „One disease, one strain“ widersprechen: Diese besagt, dass Parkinson nur mit einer einzigen, klar definierten Aggregatform einhergeht. „Angesichts unserer relativ kleinen Stichprobe von fünf Patienten lässt sich das aber nur vermuten“, so Zweckstetter. „Unsere Ergebnisse belegen jedoch sicherlich, dass Studien mit Gewebeproben von Patienten notwendig sind, um Labor-Experimente sinnvoll zu ergänzen.“

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