Präklinische Studie

Opaganib sagt Virusvarianten den Kampf an APOTHEKE ADHOC, 29.06.2021 12:01 Uhr

Opaganib konnte bereits häufiger positive Daten liefern – eine präklinische Studie zeigt nun die Wirksamkeit gegen verschiedene Virusvarianten. Foto: Bucyfon/shutterstock.com
Berlin - 

Der Wirkstoff Opaganib, der derzeit von Redhill in einer klinischen Phase-II/III-Studie getestet wird, konnte in einer neuen präklinischen Untersuchung gute Ergebnisse gegen verschiedene Virusvarianten erzielen. Die Daten untermauern die Wirksamkeit des potenziellen Covid-Therapeutikums. Aufgrund seines Wirkmechanismus geht der Hersteller davon aus, dass Opaganib auch gegen künftige Mutationen effektiv ist.

Die verschiedenen Virusvarianten von Sars-CoV-2 bereiten Wissenschaftler:innen derzeit große Sorge. Denn eine Ausbreitung könnte schnell wieder zu einem unkontrollierten Anstieg der Erkrankungszahlen führen und womöglich auch schwere Verläufe mit sich bringen. Die Covid-Therapien sind jedoch nach wie vor begrenzt.

Redhill könnte mit seinem Wirkstoffkandidaten Opaganib bald einen Schritt weiterkommen: Derzeit befindet sich die Substanz in der Phase-II/III-Testung. Der Abschluss der globalen, vollständig rekrutierten Studie mit 475 hospitalisierten Patient:innen mit wird in den kommenden Wochen erwartet. Zwischenzeitlich konnte der Wirkstoff nun auch eine gute Wirksamkeit gegen verschiedene Virusvarianten zeigen.

Gemeinsam mit dem University of Louisville Center for Predictive Medicine wurde Opaganib in einem 3D-Gewebsmodell menschlicher Bronchialepithelzellen untersucht, um die In-vitro-Wirksamkeit zu bewerten. Die vorläufigen Ergebnisse der neuen präklinischen Studie zeigen, dass Opaganib in nicht-zytotoxischen Dosen auch gegen die Varianten Beta und Gamma wirksam ist. „Die Ergebnisse, die wir bisher mit Opaganib gesehen haben, sind aufregend“, sagte William Severson vom Center for Predictive Medicine der University of Louisville. „Sie liefern weitere Belege für die antiviralen Fähigkeiten von Opaganib und unterstreichen das Potenzial von Opaganib als oral verabreichte Behandlung für Covid-19 und seine kontinuierlich auftretenden Varianten.“

Wirkweise unabhängig vom Spike-Protein

Bei Opaganib handelt es sich um einen selektiven Sphingosinkinase-2 (SK2) -Inhibitor mit antiviraler und entzündungshemmender Aktivität. SK2 ist ein Schlüsselenzym, welches in menschlichen Zellen produziert und vom Virus für seine Replikation genutzt wird. Der Wirkmechanismus beruht somit auf einem Eingriff in die Virusreplikation. Aufgrund seiner Wirkweise soll der Kandidat somit nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursache von Covid-19 behandeln. „Der duale antivirale und entzündungshemmende Wirkmechanismus von Opaganib ist unabhängig von Mutationen im Spike-Protein. Das bedeutet, dass wir erwarten, dass Opaganib in ähnlicher Weise gegen andere aufkommende Covid-19-Varianten wirken wird, einschließlich der Delta-Variante.“

In bisherigen Studien konnte bereits gezeigt werden, dass Opaganib die Sterblichkeitsrate bei Infektionen mit Influenza-Viren und die durch Pseudomonas aeruginosa verursachte Lungenschädigung durch die Senkung der Zytokine IL-6- und TNF-α-Spiegel in der Flüssigkeit der Alveolen verringern kann. Eine Untersuchung aus Israel ergab zudem erhebliche Vorteile bei Covid-Patient:innen – sowohl in Bezug auf die klinischen Daten wie auch die Entzündungsmarker. Die mit Opaganib behandelten Patient:innen waren außerdem nicht auf eine mechanische Beatmung angewiesen und konnten alle wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.