Lungenembolien

Neue Kontraindikationen für Xeljanz APOTHEKE ADHOC, 28.05.2019 13:39 Uhr

Eine vorläufige Überprüfung der Daten zeigte eine erhöhte Inzidenz für das Auftreten einer Lungenembolie bei Tofacitinib 10 mg zweimal täglich im Vergleich zur Therapie mit aktiver TNFi-Kontrolle. Foto: APOTHEKE ADHOC
Berlin - 

Pfizer informiert mittels Rote-Hand-Brief über eine Anwendungseinschränkung von Xeljanz (Tofacitinib) bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Lungenembolien: Grund dafür sind Ergebnisse einer laufenden klinischen Prüfung. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) überprüft nun den Nutzen und die Risiken in allen zugelassenen Indikationen.

Tofacitinib ist zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis (RA) oder aktiver Psoriasis-Arthritis (PsA) indiziert. Die empfohlene Dosis beträgt zweimal täglich 5 mg. Außerdem ist Tofacitinib zur Behandlung der mittelschweren bis schweren aktiven Colitis ulcerosa (UC) zugelassen: Hier kommt eine empfohlene Dosis von zweimal täglich 10 mg in den ersten acht Wochen und anschließend zweimal täglich 5 mg als Erhaltungstherapie zum Einsatz. Bei einigen Patienten kann die Fortsetzung der Behandlung mit zweimal täglich 10 mg Tofacitinib in Betracht gezogen werden.

Aufgrund der aktuell laufenden klinischen Prüfungen wurden bis zum Abschluss der Bewertung folgende Maßnahmen vereinbart: Die Anwendung von zweimal täglich 10 mg Tofacitinib ist kontraindiziert bei Patienten, bei denen eine oder mehrere der folgenden Konstellationen zutreffen:

  • Anwendung von kombinierten hormonellen Kontrazeptiva oder einer Hormonersatztherapie
  • Herzinsuffizienz
  • früheres Auftreten von thromboembolischen Ereignissen, entweder als tiefe Venenthrombose oder Lungenembolie
  • Vorliegen einer erblichen Gerinnungsstörung
  • Krebserkrankung
  • Patienten, die sich einem größeren chirurgischen Eingriff unterziehen.

Desweiteren müssen die Risikofaktoren Lebensalter, Adipositas, Nikotinkonsum und Immobilisation bei der Bewertung des Patientenrisikos für Lungenembolien in Betracht gezogen werden. Patienten, die bereits zweimal täglich mit 10 mg Tofacitinib behandelt werden und ein erhöhtes Risiko für Lungenembolien aufweisen, sollen auf eine alternative Therapie umgestellt werden. Patienten, die Tofacitinib erhalten, sollten ungeachtet des jeweiligen Anwendungsgebiets auf Zeichen und Symptome einer Lungenembolie überwacht und angewiesen werden, sofort einen Arzt zu konsultieren, falls sie solche Symptome bei sich feststellen.

Hintergrund zu diesen Sicherheitsbedenken ist die Studie A3921133: Es handelt sich um eine offene, nicht-verblindete, klinische Prüfung zur Untersuchung der Sicherheit von Tofacitinib 5 mg zweimal täglich und Tofacitinib 10 mg zweimal täglich im Vergleich zu einem Tumornekrosefaktor-Inhibitor (TNFi) bei Patienten mit rheumatoider Arthritis. Die Studie wurde von Zulassungsbehörden angefordert, um das Risiko von kardiovaskulären Ereignissen unter Tofacitinib bei Patienten im Alter von 50 Jahren oder älter zu untersuchen, die mindestens einen zusätzlichen kardiovaskulären Risikofaktor aufweisen. Dazu zählen beispielsweise gegenwärtiger Nikotinkonsum, Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Diabetes mellitus oder Herzinfarkt in der Vorgeschichte. Krebserkrankungen sind ebenfalls ein primärer Endpunkt. Alle Patienten hatten eine stabile Dosis von Methotrexat als Hintergrundtherapie bei Aufnahme in die Studie.

Eine vorläufige Überprüfung der Daten zeigte eine erhöhte Inzidenz für das Auftreten einer Lungenembolie bei der Therapie mit Tofacitinib 10 mg zweimal täglich im Vergleich zur Therapie mit aktiver TNFi-Kontrolle. Die Gesamtinzidenz pro Patientenjahr war bei Tofacitinib 10 mg zweimal täglich um mehr als das Sechsfache höher als im Kontrollarm mit TNFi und etwa um das Dreifache höher als die in anderen Studien im Tofacitinib-Programm beobachtete Inzidenz. Auch die Gesamtsterblichkeit im Therapiearm mit 10 mg zweimal täglich war höher als in den Vergleichsgruppen. Die vorläufigen Ergebnisse zeigten 19 Fälle einer Lungenembolie in 3884 Patientenjahren verglichen mit 3 Fällen in 3982 Patientenjahren im Kontrollarm mit TNFi. Zusätzlich traten 45 Todesfälle jedweder Ursache in 3884 Patientenjahren im Therapiearm mit zweimal täglich 10 mg Tofacitinib auf im Vergleich zu 25 Todesfällen in 3982 Patientenjahren im Kontrollarm mit TNFi.

Wie vom externen Datensicherheitsüberwachungsausschuss (DSMB) empfohlen und von den Zulassungsbehörden genehmigt, hat der Hersteller die Studie so modifiziert, dass bei Patienten, die Tofacitinib 10 mg zweimal täglich erhielten, die Dosis für die restliche Dauer der Studie auf Tofacitinib 5 mg zweimal täglich umgestellt wurde. Die weitere Bewertung der Studiendaten und deren mögliche Auswirkung auf die Produktinformation für alle zugelassenen Anwendungsgebiete von Tofacitinib wird derzeit in dem formalen EMA-Verfahren vorgenommen. Verschreibende Ärzte werden daran erinnert, bei einer Verschreibung von Tofacitinib zur Behandlung von rheumatoider Arthritis und aktiver Psoriasis-Arthritis die zugelassene Dosis von 5 mg zweimal täglich einzuhalten. Patienten, die Tofacitinib erhalten, sollten ungeachtet des jeweiligen Anwendungsgebiets auf Zeichen und Symptome einer Lungenembolie überwacht und angewiesen werden, sofort einen Arzt zu konsultieren, falls sie solche Symptome bei sich feststellen.