Mucosolvan Phyto Complete: Alles muss zurück

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Mucosolvan Phyto Complete wird als Medizinprodukt vertrieben, ist laut Schutzverband aber als Arzneimittel einzustufen. Einerseits würden unter der Dachmarke Mucosolvan ausschließlich apothekenpflichtige Arzneimittel vertrieben, schon deswegen sei der Newcomer als Präsentationsarzneimittel einzustufen.

Andererseits hätten die Inhaltsstoffe Thymian und Spitzwegerich eine pharmakologische Wirkung. Der Verband bezieht sich auf eine Einschätzung des Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA). Auf mehr als 50 Seiten haben die Anwälte ihre Sichtweise dargelegt. Vergleichsweise knapp kam da die Entscheidung des Landgerichts Frankfurt daher: Dem Hersteller wurden ein Verstoß gegen § 21 Absatz 1 Arzneimittelgesetz (AMG) vorgeworfen und das Inverkehrbringen des Produkts ohne Zulassung untersagt.

Aufgrund der einstweiligen Verfügung sah sich der Konzern Ende Januar gezwungen, die Apotheken über den Verkaufsstopp zu informieren. Denn auch wenn in der Regel die Wettbewerbsvereine nicht gegen die Handelspartner der Hersteller vorgehen: Jede Apotheke, die der Aufforderung des Konzerns keine Beachtung schenkt, setzt sich dem Risiko aus, selbst abgemahnt zu werden.

Seit dem Launch im September wurden bis Dezember knapp 350.000 Packungen verkauft, was einem Marktanteil von 1,5 Prozent in der Kategorie Husten nach Iqvia entspricht. Das Produkt sei „sehr gut und breit von den Apotheken angenommen“ worden, die Entwicklung für Sanofi „sehr erfreulich“ gewesen. Für den Hersteller könnte der Rückruf doppelt teuer werden: Dem Vernehmen nach wurden mehr als eine halbe Million Packungen ausgeliefert, sodass in den Apotheken noch mehr als 200.000 Einheiten vorrätig sein dürften.

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