Biologika

Kyntheum gegen Plaque-Psoriasis Nadine Tröbitscher, 18.09.2017 14:12 Uhr

Brodalumab gegen Plaque-Psoriasis: Der vollhumane monoklonale Antikörper besitzt eine hohe Bindungsaffinität die Interleukin-17-Rezeptor Untereinheit A und blockiert diese gezielt. Foto: Leo Pharma
Berlin - 

Psoriasis ist eine immunvermittelte, chronisch-entzündliche Erkrankung mit etwa 125 Millionen Betroffenen weltweit. Mit Kyntheum steht nun ein neues Arzneimittel zur Behandlung der Plaque-Psoriasis zur Verfügung.

Kyntheum (Brodalumab, Leo) kann zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis bei Erwachsenen eingesetzt werden, sofern für die Patientengruppe eine systemische Therapie in Frage kommt.

Das Arzneimittel ist als Injektionslösung in einer Fertigspritze zu 210 mg auf dem Markt und wird subkutan verabreicht. Die Patienten erhalten in den ersten drei Wochen je eine Injektion – gefolgt von einer Gabe alle zwei Wochen.

Brodalumab ist ein vollhumaner monoklonaler Antikörper, der gezielt und mit hoher Bindungsaffinität die Interleukin-17-Rezeptor Untereinheit A blockiert. Durch die Blockade des Rezeptors hemmt das Arzneimittel mehrere der entzündungsfördernden Subtypen von IL-17 und unterscheidet sich somit von den anderen Therapien, die nur gegen einen proinflammatorischen Botenstoff gerichtet sind. Die Zytokine spielen bei der Entstehung der Plaque-Psoriasis eine entscheidende Rolle.

Die Wirksamkeit und Sicherheit wurden in den Studien Amagine 1 bis 3 belegt. Die drei Studien schlossen 4373 Patienten ein, die an mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis leiden. Brodalumab wurde mit Placebo beziehungsweise Ustekinumab verglichen. In der Amagine 2-Studie zeigten 44 Prozent der Probanden unter Brodalumab nach zwölf Wochen eine vollständige Erscheinungsfreiheit – im Ustekinumab-Studienarm 22 Prozent. Amagine 3 konnte mit 37 beziehungsweise 19 Prozent ähnliche Ergebnisse liefern. Häufige Nebenwirkungen unter Kyntheum können Arthralgie, Kopfschmerzen, Ermüdung oder Diarrhoe sein.

Kontraindiziert ist Kyntheum bei aktivem Morbus Crohn sowie weiteren aktiven Infektionen wie Tuberkulose. Vorsicht ist bei Patienten mit suizidalem Verhalten und Depressionen geboten. Zwar liegen Berichte über Suizidgedanken, einschließlich vollendetem Suizid unter Kyntheum vor, dennoch konnte kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen werden. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis ist daher für die Patientengruppe sorgfältig abzuwägen.

Leo erwarb im vergangenen Jahr die Lizenz, Brodalumab in Europa zu entwickeln und zu vermarkten. Mit Ausnahme von Japan und weiteren asiatischen Ländern liegen die globalen Vermarktungsechte bei Valeant. Zugelassen ist Brodalumab in den USA und Japan zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis sowie in Japan zur Therapie von Psoriasis vulgaris, Psoriasis pustulosa, Psoriasis Arthritis und psoriatischer Erythrodermie.