Desoxycholsäure gegen Subkutanfett

Kybella: Doppelkinn einfach wegspritzen APOTHEKE ADHOC, 21.10.2020 12:43 Uhr

Kampf dem Doppelkinn: Durch die Injektion von Kybella in das Subkutanfett sollen die Zellwände der Cholesterinzellen zerstört werden. Foto: Olena Yakobchuk/shutterstock.com
Berlin - 

Ein Doppelkinn kann nicht nur die Optik eines Menschen beeinflussen, sondern auch psychische Probleme mit sich bringen. Allergan hat mit Kybella (Desoxycholsäure) seit Mitte des Monats ein Arzneimittel auf dem Markt, welches Abhilfe schaffen soll.

Die EU-Zulassung für Kybella hat Allergan bereits seit 2016 – doch erst seit wenigen Tagen ist es auf dem deutschen Markt erhältlich. Die Desoxycholsäure-Spritze wird gegen das Doppelkinn bei Erwachsenen eingesetzt, wenn vorhandenes submentales Fett eine erhebliche psychologische Belastung für den Patienten darstellt. Die enthaltene Substanz soll zytolytisch wirken: Durch die Injektion in das Subkutanfett werden die Zellwände der Cholesterinzellen zerstört. Anschließend sammeln sich vermehrt Makrophagen im Gewebe an, um die abgestorbenen Zellen zu beseitigen. Das Fett soll dadurch verflüssigt und das Gesamtkollagen erhöht werden.

Die Dosierung der Spritze muss individuell erfolgen und je nach submentalem Fettanteil angepasst werden. In einer Sitzung dürfen maximal 50 Injektionen á 0,2 ml erfolgen. Dies entspricht einer Maximaldosis von 100 mg Desoxycholsäure. Die einzelnen Sitzungen müssen im Abstand von mindestens vier Wochen erfolgen. Es dürfen höchstens sechs Sitzungen hintereinander durchgeführt werden. Erste Effekte sollen bereits nach zwei bis vier Behandlungen sichtbar sein.

AMK warnt vor Nekrosen

Anfang 2019 warnte die AMK mittels Rote-Hand-Brief jedoch vor Risiken bei der Anwendung: Unter der Behandlung wurde über Nekrosen an der Injektionsstelle, einschließlich Arteriennekrosen, im submentalen Behandlungsbereich oder in der unmittelbaren Umgebung berichtet. In einigen Fällen waren die Nekrosen schwerwiegend. Meist traten sie innerhalb einer Woche nach der Injektion auf.

Als möglicher Grund wird die Anwendung einer falschen Injektionstechnik – beispielsweise eine oberflächliche oder intravaskuläre Injektion und Injektion ohne vorherige Markierung der Injektionsstellen – angeführt. Kybella ist mittig in das preplatysmale subkutane Fettgewebe zwischen Dermis und Platysma im submentalen Bereich zu injizieren – das Arzneimittel darf daher nur von Ärzten mit geeigneter Qualifikation, Behandlungserfahrung und Fachkenntnissen der submentalen Anatomie verabreicht werden. Die Produktinformation und das Schulungsmaterial wurden diesbezüglich aktualisiert – einschließlich des Hinweises, dass Kybella nie wieder angewendet werden darf, wenn solche Komplikationen auftreten.