Kolloidales Silber: Wundermittel oder Schwachsinn?

, Uhr

Zunächst ist kolloidales Silber im pharmakologischen Sinne kein Antibiotikum, auch wenn es gegenüber bestimmten grampositiven und gramnegativen Erregern antimikrobielle Eigenschaften aufweist – allerdings bei topischer Anwendung. Wissenschaftlich betrachtet hängt die Wirkung von Antibiotika mit definierten Targets zusammen, so wirken beispielsweise β-Lactam-Antibiotika über die Hemmung der Zellwandsynthese, während Makrolide über die Hemmung der Proteinbiosynthese am Ribosom wirken. Daher fällt es nicht unter diese Definition.

Silberteilchen in kolloidalem Silber sind zwischen 1 und 100 nm groß, positiv geladen und liegen im Wasser dispergiert vor. Gängig ist die Herstellung mittels Elektrolyse, dazu werden Silberstäbe und destilliertes Wasser eingesetzt. Die orale Applikation kann zu einer irreversiblen, schiefergrauen oder auch grau-bläulichen Verfärbung von Haut und Schleimhäuten führen (Argyrie). Grund für die diffuse Pigmentierung ist die Ablagerung von Silberkomplexen, die im Zuge einer Oxidation entstanden sind. Zwar ist das „lediglich“ kosmetisch störend und hat keine negativen Auswirkungen auf die Organe, dennoch kann die Lebensqualität darunter extrem leiden. Gegen die Verfärbung gibt es bislang keine wirksame Behandlungsmethode.

Silberionen haben keine physiologische Funktion. In den Konzentrationen, in denen es Bakterien tötet, schädigt es auch die Fibroblasten. Das sind Gewebszellen, die eine bedeutende Rolle bei der Synthese der der extrazellulären Matrix spielen. Forscher konnten zeigen, dass Silbernanopartikeln Radikale in menschlichen Keratinozyten induzieren. Für die Zellen bedeutet das oxidativer Stress. In-vitro-Studien demonstrieren zudem, dass die Erythropoese beeinträchtigt wird.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Immunsystem noch nicht vorbereitet
Omikron: Mehr Hospitalisierungen bei Säuglingen»
Covid-Impfung künftig in Erkältungssaison
EMA: Dauer-Boostern nicht sinnvoll»
Tipps für einen gelungenen Impfstart
Impfarzt: Apotheker:innen sollten erst Routine lernen»
„Es ist schwierig, das Abwerben hinterher zu belegen“
Apotheker enttäuscht: Drei Angestellte abgeworben»
Suspension und Kapseln
Sildenafil in der Pädiatrie»
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
Report Mainz über Impfpassfälschungen
Apotheken im Fadenkreuz von Impfgegnern»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»