Meningokokken-Todesfall 

Engpässe bei Prophylaxe-Antibiotikum APOTHEKE ADHOC, 27.01.2018 08:21 Uhr

Sowohl Katzenmaier und Müller als auch die Eltern kritisierten anschließend das Krisenmanagement des Gesundheitsamtes. „Wir wussten lange Zeit gar nichts“, so Müller. „Das Gesundheitsamt hat sich zumindest bei mir nicht gemeldet.“ Es sei höchst frustrierend, so der Apotheker, wenn man besorgte Eltern vor sich stehen habe und ihnen trotz aller Bemühungen nicht helfen könne. Auch Katzenmaier bestätigt, dass Informationen lange gefehlt haben: „Der Apotheker wurde in der Situation vollkommen allein gelassen und musste zusehen, wie er diese Krise bewältigt.“

Stark bemängelt wurde von allen Seiten deshalb, dass es in Hessen – anders als beispielsweise in Baden-Württemberg – keine Notfalldepots mit Medikamenten gibt. „Die Kosten für das besagte Antibiotikum halten sich in Grenzen“, sagte Müller. Seinen Angaben nach kostet das Arzneimittel im Einkauf rund zehn Euro. Auch nach Auffassung von Katzenmaier müssten Gesundheitsämter für solche Fälle gewisse Kontingente vorhalten. „Mit dem Zuzug von Flüchtlingen wächst auch die Wahrscheinlichkeit, dass Tuberkulose-Fälle vermehrt auftreten können“, so der DRK-Mann. Dafür sollten Gesundheitsämter Vorsorge treffen.

Die Kreisverwaltung reagierte auf die Vorwürfe in einer Stellungnahme. Darin zeichnet sie ein gänzlich anderes Bild als die Akteure vor Ort: Das zuständige Gesundheitsamt habe bereits unmittelbar nach Bekanntgabe des Verdachtsfalls – obwohl nicht für die Bereitstellung von Medikamenten zuständig – eine Apothekengruppe des Kreises organisatorisch eingebunden, „um effektiv alle über Apotheken bereitstellbaren und zur Chemoprophylaxe bei Kindern geeigneten Antibiotika aus der Region schnellstmöglich mobilisieren zu können“.

Das Gesundheitsamt habe die Eltern darauf hingewiesen, dass es sich um Antibiotika handele, die üblicherweise nicht in jeder Apotheke beziehungsweise nicht in großen Mengen vorrätig seien. Zudem seien sie darüber informiert, in welchen Apotheken dieses Antibiotikum erhältlich sei. In Einzelfallen sei es zu Wartezeiten in den Apotheken gekommen, so die Kreisverwaltung. Aktuell soll es keinen weiteren Verdachtsfall geben.

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