DOAK: Wie steht es um das Blutungsrisiko?

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Vor- & Nachteile der DOAK

Als wesentlicher Vorteil der DOAK wird die einfache Anwendung gesehen: Regelmäßige Gerinnungskontrollen entfallen und die Dosierung erfolgt nach einem festen Schema, wodurch die Compliance im Vergleich zu Vitamin-K-Antagonisten wesentlich vereinfacht wird. Die Erfahrungen zum Notfallmanagement sind bislang jedoch begrenzt. Lange Zeit gab es keine Antidote. Für Apixaban und Rivaroxaban ist seit September 2019 Ondexxya (Andexanet alpha) als Antidot auf dem Markt. Für Dabigatran gilt Idarucizumab (Praxbind, Boehringer Ingelheim) als Antidot.

Studie analysiert Blutungsrisiko

Die verschiedenen Wirkstoffe unterscheiden sich in ihrem Blutungsrisiko. Besonders kritisch sind Blutungen im Magen-Darm-Trakt und im Gehirn. In Bezug auf das Risiko von Hirnblutungen konnten sich DOAK als sicherer wie Vitamin-K-Antagonisten erweisen. Was das Risiko von gastrointestinalen Blutungen angeht, sind bisherige Untersuchungen widersprüchlich.

Ein Team der Universität von Island hat sich dem Thema nun erneut angenommen und isländische Versorgungsdaten analysiert. Die Forscher:innen haben die Rate gastrointestinaler Blutungen bei allen Patient:innen erfasst, die zwischen 2014 und 2019 eine DOAK-Behandlung begonnen haben:

  • 2157 Patient:innen erhielten Eliquis (Apixaban)
  • 494 Patient:innen erhielten Pradaxa (Dabigatran)
  • 3217 Patient:innen erhielten Xarelto (Rivaroxaban)
  • 0 Patient:innen erhielten Lixiana (Edoxaban)

Aufgrund der ähnlichen Verordnungszahlen wurden vor allem Rivaroxaban und Apixaban miteinander verglichen: Demnach kam es unter Rivaroxaban zu mehr Blutungsereignissen – 3,2 vs. 2,5 pro 100 Personenjahren. Das relative Risiko stieg damit umgerechnet um 42 Prozent. Dem Team zufolge war auch das Risiko für gastrointestinale Blutungen mit 1,9 vs. 1,4 pro 100 Personenjahren erhöht – hier betrug der relative Risikoanstieg 50 Prozent. Der Vergleich mit Dabigatran war aufgrund der geringen Patientenzahl statistisch unsicher.

Das Team geht davon aus, dass vor allem die unterschiedliche Einnahme der DOAK eine Rolle beim Blutungsrisiko spielt: Rivaroxaban wird nur einmal täglich gegeben, Apixaban und Dabigatran jedoch auf zwei Dosen täglich verteilt. Dadurch komme es zu höheren Spitzenwerden bei der Plasmakonzentration von Rivaroxaban, wodurch auch das Blutungsrisiko ansteigen könne. Denkbar sei durch die Einmalgabe jedoch auch eine bessere Compliance in der Xarelto-Gruppe, wodurch es zum Anstieg der Blutungen kam.

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