Diclofenac: Jeder zehnte Fall kontraindiziert

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Vor sechs Jahren wurden Ärzte und Apotheker über das erhöhte Risiko kardiovaskulärer Ereignisse unter der Einnahme von Diclofenac in einem Rote-Hand-Brief informiert. Diclofenac darf seitdem nicht mehr bei bestehender Herzinsuffizienz oder anderen koronaren Herzerkrankungen eingenommen werden. Bei vorliegender Hypertonie oder Hyperlipidämie sollte eine Einnahme nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Raucher sollten auf alternative Analgetika ausweichen.

Unter Experten wird zum Teil von einer Fehleinordnung des Wirkstoffes gesprochen: Diclofenac zeige mehr pharmakologische Ähnlichkeiten zu den selektiven COX-2-Hemmern als zu den restlichen NSAID. Der Wirkstoff besitzt laut Angaben des Leibniz-Instituts sogar ein ähnliches Risikoprofil wie Rofecoxib, das 2004 aufgrund von zahlreichen kardiovaskulären Todesfällen vom Markt genommen wurde.

Die gesteigerte Produktion von Prostaglandinen bei Entzündungsreaktionen ist hauptsächlich durch COX-2-Induktion bedingt. Celecoxib und Etoricoxib sind die letzten zugelassenen Wirkstoffe innerhalb dieser Gruppe in Deutschland. Da sie die COX-1 nicht hemmen, wird die Synthese der zytoprotektiven Prostaglandine in der Magen- und Darmwand nicht unterbunden. Dadurch sind diese Arzneistoffe magenschonender als andere NSAID; das Risiko zur Entstehung kardiovaskulärer Ereignisse ist unter der Einnahme jedoch um ein Vielfaches höher.

Die Risiken von Diclofenac sowie anderer NSAID werden immer wieder diskutiert. Unabhängig vom Wirkstoff bestehen bei falscher Einnahme Risiken von unerwünschten Arzneimittelwirkungen, zudem ist der Missbrauch von Schmerzmitteln hoch. Im vergangenen Jahr trat eine Verordnung über Warnhinweise auf Umverpackungen von Schmerzmitteln in Kraft. Verschreibungsfreie, oral oder rektal anzuwendende Produkte mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Paracetamol oder Phenazon müssen mit dem Hinweis „Bei Schmerzen oder Fieber ohne ärztlichen Rat nicht länger anwenden als in der Packungsbeilage vorgegeben!“ versehen werden.

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