Borna-Virus: Tödliche Infektionen breiten sich in Deutschland aus

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In der Studie wurden acht Fälle genauer vorgestellt: Die Erkrankung zeigte sich durch Kopfschmerzen, Fieber und Verwirrtheit, später kamen Gehstörungen, Gedächtnisverluste und Krämpfe hinzu. Schließlich vielen alle acht Patienten ins Koma und starben 16 bis 57 Tage nach der Krankenhausaufnahme. Da viele der insgesamt 14 ermittelten Patienten zunächst wegen einer unklaren Enzephalitis behandelt wurden, könnte es weitere Erkrankungen gegeben haben. Unklar ist, ob die Viren auch weniger schwere Hirnerkrankungen auslösen.

In Deutschland kann man sich auch außerhalb Bayerns mit dem Virus infizieren: Laut RKI zählen auch Regionen in Sachsen-Anhalt und Thüringen zu den Kerngebieten. Weitere riskante Regionen reichen im Norden bis Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, im Osten bis Brandenburg und Sachsen und im Westen bis Hessen und Baden-Württemberg. Alle Risikogebiete decken sich mit dem Ausbreitungsgebiet der Feldspitzmaus. Eine Therapie, die nachgewiesenermaßen effektiv ist, gibt es derzeit nicht. Die bisherigen Patienten waren entweder mit Antibiotika oder antiviralen Medikamenten wie Aciclovir oder Ganciclovir behandelt worden. Vier der Patienten erhielten außerdem Steroide, auch der Einsatz von Cidofovir, Cyclophosphamid oder einem Plasmaaustausch wurde beschrieben. Es wird vermutet, dass Ribavirin und das in Japan zugelassene Favipiravir wirksam sein könnten.

Bereits Anfang der 90er-Jahre hatten Wissenschaftler am RKI über mögliche Bornavirus-Infektionen des Menschen geforscht – allerdings wurde die Arbeit 2005 eingestellt. Trotz jahrelanger Bemühungen habe man keinen belastbaren Hinweis auf eine Gefährdung des Menschen gefunden, hieß es damals. Inzwischen gibt es wieder ein mit Bundesmitteln gefördertes Konsortium, in welchem Wissenschaftler mehrerer deutscher Institutionen unter anderem Infektionswege und Risikogebiete des Virus erforschen. Das BoD-Virus ist verwandt mit den Erregern von Tollwut und Masern.

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