Erst kauen, dann behandeln

Bitter-Kaugummi als Diagnostikum Cynthia Möthrath, 15.02.2020 08:38 Uhr

Das Medizinprodukt soll den Entwicklern zufolge in Zukunft jedoch nicht nur als Detektor für Risiken bei der Implantologie dienen. Auch andere Beschwerden und Erkrankungen wie Parodontiis, Scharlach, Mandelentzündungen oder Influenza sollen in Zukunft mithilfe des Kaugummis identifiziert werden können – sämtliche Krankheiten, bei denen sich Erreger im Speichel nachweisen lassen. Seit 2011 forscht das Team am Kaugummi, 2012 wurden bereits erste Patente eingereicht, um die Technologie schutzrechtlich zu sichern.

Dank der Zusammenarbeit mit einem Start-up soll der Kaugummi bereits in absehbarer Zeit als Diagnostikum in Apotheken erhältlich sein – vorraussichtlich 12 bis 15 Monate wird es bis zur Marktreife dauern. Bisher wurde die Wirkung des Kaugummis jedoch nur im Reagenzglas am Speichel von Patienten getestet, die Erprobung im Mund steht demnach noch aus. Ein Scheitern halten die Experten jedoch für unwahrscheinlich. Bevor der Kaugumi rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist, müssen jedoch noch einige Hürden gemeistert werden – unter anderem die Zulassung durch die Behörden. Da der Kaugummi als Testsystem im menschlichen Körper dient, wird er vermutlich als Medizinprodukt zugelassen werden.

Der Kaugummi könnte die Diagnose von verschiedenen Erkrankungen demnach wesentlich erleichtern: Beim Verdacht auf eine bakterielle Infektion muss kein Abstrich mehr genomen werden, der Patient könnte stattdessen einen zum Krankheitsbild passenden Kaugummi kauen, um zu ermitteln welcher Erreger für die Infektion verantwortlich ist. Bereits nach zwei Minuten würde das Ergebnis vorliegen und eine entsprechende Therapie könnte eingeleitet werden.

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