3D-Druck: Apothekenrezeptur 2.0 – wie lange noch?

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Tatsächlich scheinen die Kassen den Verheißungen noch nicht zu trauen: „Bezahlen ist immer einfach. Aber mehr bezahlen, wenn es nichts bringt, ist blöd“, so Steimle. Als Kasse müsse man auch bei der TK stets auf die Ausgaben achten. „Was für unsere Versicherten besser ist, darf natürlich auch mehr kosten – aber nur, wenn der Nutzen nachgewiesen ist.“ Grundsätzlich sei man interessiert, auch einmal neue Sachen auszuprobieren. Dafür müsse man aber innovative Bezahlsysteme finden. Das AMNOG sei keine Innovation mehr, da mit dem AMNOG-Prozess keine Einmaltherapien wie die Gentherapie vernünftig bewerten könne. Genauso wenig lasse sich der jeweilige Wert einer Kombinationstherapie in der Onkologie bewerten, da nach dem derzeitigem AMNOG-Konzept derzeit jedes Arzneimittel für sich bewertet werde.

Damit teilt Hubers 3D-Drucker dasselbe Schicksal wie die Verblisterung. Laut Heydarpour fallen pro Woche Kosten zwischen 1,50 bis 5 Euro an, die nicht von den Kassen übernommen werden. Nur wenn das Heim bereit sei, seine Pauschale abzutreten, könnten Apotheken die Zusatzleistung erbringen. Dabei hat das Blistern laut Heydarpour ein Einsparpotential von etwa 19 Milliarden Euro – auch hier macht die Individualisierung die Versorgung möglicherweise nicht nur besser, sondern auch preiswerter. „Was den monetären Aspekt angeht, belegen diverse Studien und praktische Erfahrungen aus stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen, dass langfristig sehr viele Kosten für unnötige Krankenhauseinweisungen, Doppelverordnungen und UAE vermieden werden können, da die Sicherheit durch die Verblisterung zunimmt“, so Heydarpour.

Mit seinem 3D-Drucker hat Huber allerdings noch ein weiteres Brett zu bohren: Zwar handelt es sich nicht um „Raketenwissenschaft“, sodass die Abnahme in der Apotheke durch die Aufsichtsbehörde kein Problem darstellen sollte. Was die variable Zulassung über fließende Dosierungen hinweg angehe, sei die Technologie derzeit allerdings schneller als der Gesetzgeber. Vor allem aber haftet die Apotheke für jedes in der Rezeptur gedruckte Medikament. Solange es keine entsprechenden Monografien gibt, wird es wohl noch dauern, bis DiHeSys die „Zukunft der Rezeptur“ antreten kann.

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