Gift-Prozess gegen Krankenschwester

Zolpidem-Kekse und Oxazepam-Kaffee: Fünf Kollegen vergiftet APOTHEKE ADHOC, 06.05.2020 15:05 Uhr

Ende September klickten die Handschellen, die 53-Jährige ging in Untersuchungshaft. Kurz darauf war Anklageerhebung wegen dreier Fälle von gefährlicher Körperverletzung, in einem Fall in Tateinheit mit versuchtem Mord. Letzterer bezieht sich auf die Tat im vergangenen März: Weil bereits zuvor eines der Opfer in Lebensgefahr schwebte, habe die Frau von der Gefahr wissen müssen, so die Staatsanwaltschaft. Im November wurde die Anklage erhoben/a>, seit März wird verhandelt. Die Krankenschwester, die seit über 30 Jahren in der Klinik arbeitet, beteuert allerdings nach wie vor ihre Unschuld. Sie habe die selbstgebackenen Kekse zwar mit auf die Station gebracht, die seien aber nicht vergiftet gewesen. Auch andere Mitarbeiter hätten schließlich von ihnen gegessen, ohne dass ihnen etwas zugestoßen sei. Außerdem herrscht bis jetzt Rätselraten um ein Tatmotiv, psychische Störungen konnten bei der Frau nämlich nicht festgestellt werden.

Und dann rückte eine Zeugenaussage vor Gericht den scheinbar offensichtlichen Fall in ein neues Licht: Eine Krankenschwester berichtete nämlich von einem Fall, der ungefähr fünf Jahre her sein soll, als die Angeklagte auf einer anderen Station arbeitete. Eine Pflegedienstleiterin habe sich über die Unordnung in den Aufenthaltsräumen aufgeregt und aus Wut eine Ampulle des Diuretikums Lasix (Furosemid) in eine herumstehende Kaffeetasse geschüttet. Eine anwesende Krankenschwester meldete das an den Stationsarzt – der sich zwar aufgeregt, es aber nicht weiterverfolgt habe. Eine Meldung der Krankenschwester sei ohne Folgen geblieben. Ausgerechnet das könnte nun dazu beitragen, dass die Angeklagte im Falle einer Verurteilung nicht wegen versuchten Mordes belangt wird, berichtet die Wittenauer Zeitung vom Prozess. Denn nicht nur herrscht weiter Rätselraten um ein mögliches Tatmotiv der Angeklagten – welches unabdingbar ist für eine Mordanklage – sondern es ist auch eine weitere Person aufgetaucht, die Arzneimittel in frei zugängliche Trinkgefäße gefüllt hat. Der Staatsanwalt hat die Anklage deswegen vorsichtshalber um fahrlässige Körperverletzung und Inverkehrbringen von Betäubungsmitteln erweitert.

Auch für die Pflegedienstleiterin hat die Episode nun ein Nachspiel: Sie war nämlich vor Gericht befragt worden und sagte, dass sie sich an den Vorfall nicht erinnern könne. Direkt nach der Vernehmung soll sie jedoch einen Arzt und die Krankenschwester aus dem Zeugenstand angerufen haben, um sie zu bitten, sich vor Gericht ebenfalls nicht daran zu erinnern. Die Staatsanwaltschaft will nun Ermittlungen wegen uneidlicher Falschaussage vor Gericht gegen sie aufnehmen – und möglicherweise auch wegen gefährlicher Körperverletzung.

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