Deutsche Gesellschaft für Sterilgutversorgung

Wiederaufbereitung von Atemschutzmasken: Das sagen die Experten Alexandra Negt, 08.04.2020 11:34 Uhr

Aufgrund von Lieferengpässen sollen Atemschutzmasken wiederverwendet werden. Welches Verfahren sich für die Wiederaufbereitung eignet hat die Deutsche Gesellschaft für Sterilgutversorgung beurteilt. Foto: shutterstock.com/ DesyRota
Berlin - 

Die Deutsche Gesellschaft für Sterilgutversorgung (DGSV) hat sich zum Vorschlag des Mehrfachgebrauchs von Atemschutzmasken in medizinischen Einrichtungen geäußert. Auslöser waren die bundesweiten Versorgungsengpässe mit Schutzausrüstung. In mehreren deutschen Kliniken wurden Masken in unkontrollierten und nicht standardisierten Verfahren aufbereitet und erneut verwendet. Die Gesellschaft empfiehlt je nach Art des Mundschutzes unterschiedliche Wiederaufbereitungsverfahren. Von einer Reinigung von kontaminiertem Schutzmaterial im privaten Bereich sei abzusehen.

Um die begrenzte Anzahl von Atemschutzmasken effizienter und länger nutzen zu können, wurden diese in zahlreichen medizinischen Einrichtungen in den letzten Wochen mehrfach verwendet. Damit es nicht zu einem Infektionsrisiko wird, sollten die Masken jedoch regelmäßig dekontaminiert werden. Hierfür stehen verschiedene Methoden zu Verfügung, nicht alle davon sieht die DGSV als sinnvoll an.

Dekontamination mit trockener Hitze

Bei der Dekontamination mit trockener Hitze wird meist mit Temperaturen von 65 bis 70 Grad gearbeitet. Das aufzubereitende Material wird 30 Minuten lang gleichmäßig erhitzt. Die DGSV gibt zu bedenken, dass die Wärmeübertragung auf sowie innerhalb des Maskenmaterials nicht bekannt ist. Ebenfalls unklar sei, wie das poröse Material im Einzelnen auf die Hitze reagiert. Nach der Wiederaufbereitung sei die geforderte Überprüfung auf Form zwar möglich, die Prüfung auf Materialeigenschaften jedoch nicht.

Validierte Verfahrensschritte seien beim Einsatz von Trockenschränken nur bedingt möglich: Die Geräte zeichnen die erforderlichen Prozessparameter nicht auf, somit könne der Ablauf der Dekontamination nicht nachverfolgt werden – Parameter wie die gleichmäßige Einhaltung der Temperatur sind nicht dokumentiert. Ebenfalls als problematisch erachtet die DGSV die Beladung der Trockenschränke: Die Masken müssten, um gleichmäßig mit Hitze durchströmt zu werden, unverpackt in das Gerät eingebracht werden. Dies erfordere einen erhöhten Arbeitsschutz und stärkere Hygienemaßnahmen.

Achtung bei Trockenschränken mit Umluft

Trockenschränke mit Umluft stehen in Interaktion mit der Raumluft – denn Umluft ist Abluft, die in das System zurückgeführt wird. Die im Raum enthaltene Luft wird also über den gesamten Prozess immer wieder in den Trockenschrank geleitet – ein Kreislauf entsteht. Dies ist laut DGSV besonders bei kontaminiertem Material problematisch: Viren können, bevor sie abgetötet wurden, in die Umgebungsluft gelangen und weitere Menschen infizieren. Andere Trockenschränke nutzen das Prinzip der freien Kovektion – dies ist den Experten zufolge zu bevorzugen. Unter freier Konvektion versteht man eine vertikale Luftbewegung, die durch im System vorhandene Druckunterschiede entsteht. Die im Trockenschrank enthaltene Luft interagiert nicht mit der Umgebungsluft.

Die DGSV gibt zu bedenken, dass aktuell ein geeignetes Qualitätsmanagement für diese Art der Dekontamination fehlt und eine Überprüfung der Wirksamkeit hierdurch nur eingeschränkt möglich ist. Eine Weiterverbreitung von pathogenen Viren sei potentiell möglich und sehr bedenklich. Von einer Aufbereitung im privaten Bereich sollte abgesehen werden.

Backöfen eher nicht nutzen

Geräte wie ein einfacher Backofen seien für diesen Prozess nicht geeignet. Die Temperaturangaben entsprächen häufig nicht den tatsächlich im Inneren herrschenden Werten. Zudem sei die Temperaturverteilung unregelmäßig und nicht überwacht. Auch hier können noch nicht abgetötete Viren mit der Abluft verbreitet werden. Das gleich gelte natürlich auch für andere Keime, die sich auf den Masken befinden. Die private Dekontamination von Atemschutzmasken sei kritisch zu bewerten und sollte in der eigenen Wohnung nur erfolgen, wenn eine Infektion ausgeschlossen ist.

Dampfsterilisation bevorzugen

Eine Dekontamination mittels trockener Hitze stelle laut DGSV in der Corona-Krise keine hygienische Methode für medizinische Einrichtungen dar. Krankenhäuser & Co. sollten lieber auf valide Methoden wie das Vakuum-Dampf-Vakuum-Verfahren zurückgreifen. Auch die Dampfsterilisation bei 121 Grad wird seitens der Gesellschaft als geeignet eingestuft. Die DGSV verweist darauf, dass die Wirksamkeit der Dampfsterilisation bei Schutzmasken in anderen europäischen Ländern untersucht wurde und nachgewiesen ist.

Filter sind die Problematik

Masken ohne Filtereinheit lassen sich laut DGSV gut per Dampfsterilisation aufbereiten. Das Material wies in den Untersuchungen nach der einmaligen Dekontamination mitunter ein besseres Rückhaltevermögen von Keimen auf, als vorher. Anders sehe es bei Masken mit Filtereinheit aus. Zwar sind die Filter nach der einmaligen Dekontamination nicht komplett defekt, das Rückhaltevermögen war jedoch laut den Untersuchungen etwas schlechter.

Prinzipiell gilt: Nach jeder Aufbereitung muss bei allen Maskentypen auf mögliche Veränderungen der einzelnen Komponenten geachtet werden. Geprüft werden sollte das Ventil, der Nasenbügel und die Bänder. Bei FFP2 und FFP3 Masken muss nach der Wiederaufbereitung stets auf Dichtheit des Ventils geprüft werden.

Dekontamination selbstgenähter Mundschutz

Das Waschen bei niedrigen Temperaturen bringt keinen Erfolg. Auch die meisten am Markt erhältlichen Hygienespüler sind ausschließlich antibakteriell. Bei dem Material sollte darauf geachtet werden, dass es sich um einen reinen Baumwollstoff handelt, der bei 95 Grad gewaschen werden kann. Wer solch einen Mundschutz trägt, der sollte weiterhin den Mindestabstand von zwei Metern einhalten. Die Masken müssen regelmäßig gewechselt werden – wer zwei Masken besitzt, kann im Wechsel waschen.