Wie ein Gastarbeitersohn zum Platzhirsch-Apotheker wurde

, Uhr

Anfang Januar nun eröffnete die dritte Delphin-Apotheke in Prenzlau – in einem Kaufland nur 150 Meter entfernt von der eigenen Filiale. „Eigentlich wollte ich es bei zwei Apotheken in Prenzlau belassen“, sagt Kızıltaş. Doch die Kaufland-Manager waren felsenfest überzeugt, dass eine Apotheke in die Geschäftspassage muss. „Da habe ich gesagt: Egal wer da reinkommt, den mache ich fertig“, scherzt er. „Aber wenn der fertig ist, kommt ja auch bloß der Nächste. Ich hätte ja gekämpft. Aber ich habe dann doch auf den Rat meiner Frau gehört und mich entschieden, es einfach selbst zu machen.“

Und so expandiert Kızıltaş kräftig weiter in einer Gegend, auf die seit Jahren Abgesänge erklingen. In einer der am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands, auf dem flachen Land im hohen Osten, wo kaum ein Apotheker noch einen Nachfolger findet, sieht er da noch so viel Perspektive? „Ich sehe das, was andere machen, aber das will ich nicht beurteilen. Ich kümmere mich um meine Apotheken und will meiner Vision folgen, Gesundheitsversorgung aus einer Hand anzubieten“, sagt er diplomatisch. Von den Abgesängen will er jedenfalls nicht viel hören. „Schon 1985, als ich mein drittes Staatsexamen abgelegt habe, hat mein damaliger Lehrapotheker zu mir gesagt, dass die goldenen Zeiten vorbei seien. Dabei waren sie das noch lange nicht! Ich bin der Meinung, die goldenen Zeiten muss man sich selbst machen.“

Und die Umstellung von Berlin zur Kleinstadt Prenzlau? Holen ihn in Brandenburg, wo die AfD bei der letzten Bundestagswahl mit über 20 Prozent zweitstärkste Kraft wurde und sich Hoffnungen macht, bei den diesjährigen Landtagswahlen die Regierung zu übernehmen, nicht gelegentlich böse Erfahrungen aus der Vergangenheit ein? „Nein, in Prenzlau ist die rechte Szene zum Glück weniger stark als im restlichen Brandenburg. Ich fühle mich hier keineswegs verfolgt – das ist schließlich mein Land, ich bin hier aufgewachsen.“ Einen Vorsatz habe er aber dennoch: „Wenn diese AfD-Idioten eines Tages wirklich in Deutschland an die Macht kommen sollten, dann bin ich hier wieder weg.“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
„Kann das meinen Mitarbeitern nicht mehr antun“
Nervliche Belastung: Inhaber stoppt Bürgertests »
Impfangebot abends und am Wochenende
„Meine Kunden erwarten, dass wir impfen“ »
Mehr aus Ressort
Report Mainz über Impfpassfälschungen
Apotheken im Fadenkreuz von Impfgegnern »
Weiteres