Wenn Einsamkeit krank macht

, Uhr

Zwar haben die Ältesten am meisten Probleme mit Einsamkeit. Ab 86, wenn körperliche Gebrechen und der Tod von Wegbegleitern oft Realität sind, klagt jeder Fünfte darüber. Aber: Auch Menschen in der Lebensmitte (46-55 Jahre, 14 Prozent) und jüngere Erwachsene (26-35 Jahre, 14,8 Prozent) fühlen sich häufig einsam. Am wenigsten betroffen sind die jüngeren Alten (66-75 Jahre, 9,9 Prozent).

Luhmann erläutert: „Veränderungen in den Sozial- und Kontaktstrukturen sind ja nicht unbedingt nur negativ. Beispielsweise könnten soziale Medien und Internetanwendungen wie Skype gerade älteren, weniger mobilen Menschen die Möglichkeit geben, häufiger und intensiver Kontakt zu Familie und Freunden zu halten, als es vielleicht noch vor Kurzem der Fall war.“

Zwar gibt es auch in Deutschland mehr Scheidungen, Singles und Menschen mit wechselnden Partnerschaften. Auch unter den langsam alternden Babyboomern hat längst nicht jeder Kinder. „Aber Kinder sind auch keine Garantie gegen Einsamkeit», betont Luhmann. „Gerade wenn sie selber noch Kinder haben oder weit weg wohnen.“ Freundeskreise könnten dies auffangen. „Prinzipiell sind Menschen weniger einsam, je mehr tiefe Beziehungen sie haben und je mehr sie sich zugehörig fühlen.“

Letzteres scheint ein Knackpunkt zu sein. Wer sich ausgeschlossen und sozial isoliert fühlt, hat auch ein höheres Risiko für Einsamkeit, stellt auch der Deutsche Alterssurvey fest. Außerdem könne aufgrund von Armut das Gefühl aufkommen, nicht so richtig dazuzugehören, ergänzt Luhmann.

Wie einsam nach Deutschland geflüchtete Menschen sind, muss ein künftiger Alterssurvey zeigen. Bislang gibt es dazu keine Daten. Bedenke man aber die Faktoren, die Einsamkeit hervorrufen könnten – geringes Einkommen, kleines soziales Netzwerk, wenig direkte Kontakte und Trennung von engen Angehörigen – so sei es wahrscheinlich, dass viele Geflüchtete davon betroffen seien, vermutet Luhmann.

Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und abonnieren Sie den Newsletter von APOTHEKE ADHOC.

 

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Wenig Interesse an Telemedizin
Stada-Umfrage: Arzt sticht App»
EU muss Schnittstellen-Verordnung absegnen
E-Rezept: Vorerst keine Daten für Vor-Ort-Plattformen»
Verweis auf Grippeapotheken
Abda: Apotheken können boostern»
Minister stellt Gremium zur Disposition
Spahn: Stiko taugt nicht für Pandemie»