Wegen Kundenparkplätzen: Polizei schlägt Apotheker zusammen

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Die Polizei schildert die Eskalation anders. Bereits am Folgetag veröffentlichte sie eine Mitteilung: Demnach habe die Streife gerade einen Verkehrsteilnehmer aufgrund eines Gurtverstoßes angehalten und abkassiert, als Osman-Oglou auf die Polizisten zuging. „Mit erhobenen Armen kam er laut brüllend auf die Streife zu und forderte, sofort den Parkplatz zu verlassen. Auch in der Folge störte er die Kontrolle, weshalb sich die beiden Beamten dazu entschlossen, den Kelsterbacher zu überprüfen“, so die Polizeimeldung. Weil er sich gegen polizeiliche Maßnahmen gewehrt habe, sei er letztlich festgenommen worden.

Allerdings: Jener Verkehrsteilnehmer, der kontrolliert worden war – also das Geschehen aus nächster Nähe beobachtete – schildert die Situation gänzlich anders. In seiner Zeugenaussage, die APOTHEKE ADHOC vorliegt, stützt er eindeutig Osman-Oglous Darstellung des Sachverhalts. Er habe von Beginn an beobachten können, wie der Inhaber auf den Polizisten zuging „und in keinerlei provokanter Art ihn fragte oder bat, zukünftig nicht mehr die Kundenparkplätze mit dem Polizeidienstwagen zu blockieren, das wären seine Plätze und er sei der Apotheker. Er hat das auch in einer ganz normalen, sachlichen und eher freundlichen Form vorgetragen, worauf der Polizist reagierte mit der Nachfrage, ob er irgendwas wolle“, so die Aussage. Osman-Oglou wiederholte seine Bitte, woraufhin der Polizist „ganz ad hoc laut wurde“ und ihn gefragt habe, ob er ihn beleidigen oder provozieren wolle. Er wolle jetzt sofort seinen Ausweis sehen.

„Das überraschte den Apotheker sichtlich auch in der Weise, weil er damit nicht zu rechnen hatte und sich auf seinem gekauften oder gepachteten Grundstück berechtigt sah, die Frage des Parkens zu stellen“, so der Zeuge. Die folgende körperliche Auseinandersetzung sei lediglich zwischen dem Apotheker und einem der Polizisten abgelaufen. „Der andere machte eher einen zurückhaltenden Eindruck, griff auch körperlich nicht ein“, so der Zeuge. Doch das sollte sich schnell ändern. Denn vom Polizisten traktiert habe Osman-Oglou darauf bestanden, gemeinsam in das gegenüberliegende Polizeirevier zu gehen, um die Sache dort zu klären – nicht direkt vor seiner Apotheke. Doch beide Polzisten seien entschlossen gewesen, ihn festzuhalten, schildert es der Zeuge. So endete es auf der Mitte der Straße in „zunehmender Aggression seitens beider Polizeibeamten, sodass auch dem Herrn Dr. Oglou mit einer Art Schlagstock in die Kniekehle und seitlich an die Beine geschlagen wurde, um ihn zu Boden zu bringen.“ Dabei verlor er noch seine Brille, die „glücklicherweise nicht durch die sechs Füße, die da herumtraten, kaputtging.“

Zu Boden gebracht haben die beiden Polizisten den Apotheker nicht – dank seiner Statur, wie er betont. „Meine Mutter hat mir zum Glück eine gute Genetik geschenkt“, sagt der Inhaber. „Irgendwann haben dutzende Menschen die Polizisten angebrüllt, was sie denn da machen. Da haben sie aufgehört.“ Festgenommen wurde er trotzdem, daraufhin aufs Revier gebracht und eine halbe Stunde später wieder freigelassen. Es folgte der Gang in die Notaufnahme, wo er erst nach Hause geschickt wurde, am Folgetag aber im Krankenhaus vom Chefarzt untersucht wurde, der mehrere Prellungen und Ödeme attestierte.

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