Ein ganzes Apothekerleben in 90 Minuten

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Scheerer zeichnet ein trauriges Bild von dem Ort, in dem ihre Mutter seit Jahrzehnten die Apotheke betreibt. Früher seien zwar der Himmel und die Häuser „ruhrgebietsgrau“, aber es habe viele kleine Geschäfte vor Ort gegeben. Doch eins nach dem anderen habe sie fast alle zugemacht. „Die Straße ist am Aussterben“, berichtet sie. „Es gibt gefühlsmäßig nur noch Wettbuden, Nagelstudios und Kioske“. Die Bedingungen am Standort seien aber schon immer sehr hart gewesen. In dem Vorort, einer von Arbeitern und Bergarbeiter dominierten Gegend, sei die Apotheke wahrlich keine „Goldgrube“ gewesen. „Die Menschen haben schlicht kein Geld für teure Kosmetikprodukte“, so die Schauspielerin.

Was dann bleibt, ist der Kern, die wichtigste Aufgabe der Apotheker: Die Beratung der Menschen. „Mit den Jahren ist die Apotheke meiner Mutter eine soziale Anlaufstelle geworden“, erzählt sie. In den Gesprächen, die Scheerer und Nelle im Vorfeld geführt haben, erzählten einige Stammkunden, was sie an „ihrer“ Apothekerin am meisten schätzen. Wahnsinnig geduldig sei sie, immer habe sie ein offenes Ohr und die Herzlichkeit, die ermutigt, in jeder Lebenslage in die Apotheke zu kommen. Scheerer berichtet, dass einige Kunden ihrer Mutter als Zeichen ihrer Wertschätzung die Holzfigur der Heiligen Barbara, der Partronin der Bergleute, geschenkt haben. Auch für ihre Mutter sind einige Kunden mit den Jahren zu einer zweiten Familie geworden.

Als die Apothekerin, mit der Tochter an der Hand und alleinerziehend, sich den Ort vor knapp 40 Jahren anschaute, habe sie ihn furchtbar gefunden, weiß Scheerer aus den Erzählungen ihrer Mutter. „Sie wollte hier niemals alt werden“, so die Hauptdarstellerin. Es war eben ein Ort, in dem man nicht tot überm Zaun hängen möchte. Und doch ist die Pharmazeutin dort geblieben.

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